Die traditionsreiche Fähre Düsseldorf–Meerbusch wird von der städtischen ÖPNV-Gesellschaft übernommen. Der Betrieb soll durch riesige Uber-Reklame finanziert werden. Taxler sind entsetzt, dass die Rheinbahn AG für den eigenen Feind wirbt.
Der US-Fahrdienst Uber setzt weiter darauf, in aller Munde zu sein und als Selbstverständlichkeit im öffentlichen Leben wahrgenommen zu werden. Jüngster Coup der PR-Strategen von Uber in Deutschland ist ein Sponsorenvertrag mit der Rheinbahn AG, der städtischen Nahverkehrsgesellschaft in Düsseldorf. Am 18. Juni 2026 gab der Düsseldorfer Stadtrat grünes Licht für den Erwerb der „Rhein-Fährbetrieb Langst-Kaiserswerth Schäfer GmbH“ durch die Rheinbahn AG, die den Betrieb zum 1. Januar 2027 übernehmen soll. Die Fähre, die wahrscheinlich bereits seit dem Mittelalter an dieser Stelle den Rhein quert und seit den späten 1960er-Jahren vom Familienunternehmen Schäfer betrieben wird, pendelt zwischen Düsseldorf-Kaiserswerth und Meerbusch-Langst und befördert bis zu 250 Personen und 27 Pkw je Fahrt. Den künftigen Betrieb will die Rheinbahn durch großflächige Uber-Werbung auf dem Schiff finanzieren.
Nicht nur für das Düsseldorfer Taxigewerbe ist das ein Skandal. Die Taxiunternehmer Igor Isaev und Sadek Arslan, die im Namen des Düsseldorfer Taxigewerbes eine Protestnote verfasst haben, kritisieren, dass das städtische Verkehrsunternehmen ausgerechnet einen Konzern als Sponsor präsentiert, der das eigene Geschäft sabotiert, indem dessen Dumpingpreise den Linienverkehr unterlaufen: Uber-Fahrten sind für Gruppen nicht selten billiger als der ÖPNV, dessen Nahverkehrstarif mit 3,80 Euro zu Buche schlägt – für eine vierköpfige Familie also 15,20 Euro. Statt die Verkehrswende zu fördern, setze die Stadt damit Anreize, Bus und Bahn zu meiden. Während Taxiunternehmen Tarifpflicht, Beförderungspflicht und umfangreichen gesetzlichen Vorgaben unterliegen und seit Jahren auf faire Wettbewerbsbedingungen sowie die Einführung von Mindesttarifen für Mietwagen drängen, kassiere die Rheinbahn AG und somit die Stadt Düsseldorf Sponsorengeld von einem Plattformanbieter, der die sozialen und wirtschaftlichen Standards der Branche systematisch aushebelt.
„Gerade in Düsseldorf mit täglichen Staus und niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten stellt sich die Frage, ob eine solche Entwicklung tatsächlich zur Verkehrswende beiträgt. Viele Bürger und Branchenvertreter fragen sich, warum die Preisgestaltung von Plattformanbietern bei diesen Überlegungen kaum berücksichtigt wird“, so die zurückhaltenden Formulierungen in dem Protestschreiben.
Zudem werde seit Jahren über Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen (MBE), fairen Wettbewerb sowie die Einhaltung sozialer und wirtschaftlicher Standards diskutiert. Während Taxiunternehmen Tarifpflicht, Beförderungspflicht und zahlreichen gesetzlichen Vorgaben unterliegen, empfänden viele Unternehmer und Fahrer es daher als widersprüchlich, dass ein kommunales Verkehrsunternehmen Sponsorengelder aus einem Marktsegment annimmt, das seit Jahren Gegenstand kontroverser Diskussionen innerhalb der Branche sei.
Der US-Fahrdienst Uber verfolgt eine PR-Strategie, Kritik durch Selbstverständlichkeit zu unterlaufen. Während in den USA große Summen in die Filmindustrie geflossen sein sollen, damit Fahrten mit Uber anstelle von Taxis als Normalität dargestellt werden, wurde in Berlin durch die kostspielige Übernahme einer der bedeutendsten Veranstaltungshallen mit Umbenennung in „Uber Arena“ dafür gesorgt, dass der Name täglich unzählige Male in positivem Zusammenhang in den Medien fällt. Bei den jährlichen, nahezu weltweit beachteten Berliner Filmfestspielen „Berlinale“ zeigte Uber zweimal als Hauptsponsor international Präsenz, bis die Zusammenarbeit nach heftigen Protesten aus Taxigewerbe und Politik beendet wurde. ar
Anmerkung der Redaktion: Der fatale Kuschelkurs der Düsseldorfer Entscheidungsträger gegenüber einem Plattformanbieter, dessen Geschäftsmodell auf Rechtsbruch beruht und dessen Partner nur mit Steuerhinterziehung, Sozialbetrug und permanenten Regelverstößen „wirtschaftlich“ arbeiten können, ist ein erneuter Schlag ins Gesicht aller ehrlich werktätigen Menschen und zeigt erneut, wie viel Verantwortungsbewusstsein in den politischen Gremien bereits der „Geiz-ist-geil“-Mentalität zum Opfer gefallen ist. Der so entstehende gesellschaftliche Schaden wird noch lange nach dem Ausscheiden der Verantwortlichen aus der Politik nachwirken. Doch kleine Erfolge zeigen: Der Protest lohnt sich. Viele Politiker müssen leider noch wachgerüttelt und an ihre gesellschaftliche Verantwortung erinnert werden.
Beitragsbild: Das Fährschiff „Michaela II“, hier am Fähranleger in Langst, wird demnächst anders aussehen. Foto: Alice Wiegand / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)







