Bestechungsfälle, Durchfallquoten von über 60 Prozent, Sprachbarrieren, und was die Branche jetzt tun muss, statt sich an der Empörung über Einzelne festzuhalten.
Dass in Nürnberg ein langjähriger IHK-Sachbearbeiter pro Kandidat zwischen 3.000 und 7.000 Euro eingestrichen haben soll und damit auch Personen mit erheblichen sprachlichen Hürden die Prüfung bestanden, ist aufsehenerregend. Es ist aber vor allem ein Hinweis auf ein tieferliegendes Problem, das in der Branche schon länger sichtbar ist: Die Fachkundeprüfung Taxi und Mietwagen ist heute keine bloße Formalität mehr. Sie ist eine ernsthafte unternehmerische Eintrittshürde und für viele eine ernüchternde Begegnung mit dem, was sich hinter der vermeintlich vertrauten Welt des Taxigeschäfts an Bundesrecht, Ortsrecht und Buchhaltung verbirgt.
Dieser Beitrag ordnet die Fachkundeprüfung Taxi und Mietwagen 2026 nüchtern ein: Rechtsgrundlage, Aufbau, Bestehensgrenzen, Durchfallquoten und die Vorbereitungspfade, die heute realistisch zum Bestehen führen.
Was ist die Fachkundeprüfung Taxi und Mietwagen?
Die Fachkundeprüfung Taxi und Mietwagen ist der zentrale fachliche Nachweis nach § 3 des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) in Verbindung mit der Berufszugangsverordnung für den Straßenpersonenverkehr (PBZugV) und der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft). Abgenommen wird sie von der regional zuständigen Industrie- und Handelskammer.
Wichtig: Sie richtet sich nicht an Fahrer, sondern an künftige Unternehmer und Verkehrsleiter. Geprüft wird, ob jemand ein Personenbeförderungsunternehmen rechtssicher und wirtschaftlich tragfähig führen kann, nicht, ob er fahren kann. Wer eine Taxi- oder Mietwagenkonzession beantragen oder einen bestehenden Betrieb übernehmen will, muss die Prüfung bestehen oder eine anerkannte Befreiung nachweisen. Inhaltlich folgt das Ganze dem Rahmenstoffplan der DIHK. Die letzten substanziellen Verschiebungen im Rechtsrahmen brachte das Gesetz zur Modernisierung des Personenbeförderungsrechts (PBefRMoG), verkündet am 16. April 2021 (BGBl. I 2021 S. 822). Es ist seit dem 1. August 2021 in Kraft und enthält beispielsweise auch jene Reform, welche die Möglichkeit für die heute viel diskutierten Mindestbeförderungsentgelte schuf.
Aufbau und Bestehensgrenze
Der Fragenteil bei der Fachkundeprüfung für Taxi und Mietwagen enthält drei Teile, die mit insgesamt 150 Punkten bewertet werden: Wer auf mindestens 90 Punkte kommt, hat bestanden, wenn davon in jedem der drei Teile mindestens 50 Prozent der jeweiligen Maximalpunkte erreicht wurden. In diesem Fall entfällt die mündliche Prüfung.
Wer schriftlich also klar besteht, wird gar nicht erst zur mündlichen Prüfung eingeladen. Daraus folgt eine Logik, die in den Kursen erfahrungsgemäß unterschätzt wird: Die mündliche Prüfung trifft fast ausschließlich jene, die schriftlich auf der Kippe stehen. Und dort entscheiden über Bestehen oder Durchfallen dann besonders häufig jene Fragen zum Ortsrecht des jeweiligen IHK-Bezirks, für die man nicht aus einem bundesweiten Lehrbuch lernen kann.
Durchfallquote bei der Fachkundeprüfung Taxi und Mietwagen
Belastbare bundesweite Statistiken zur Durchfallquote veröffentlicht keine IHK regelmäßig, was die Debatte oft schwerer macht, als sie sein müsste. Im Zuge der Nürnberger Ermittlungen nannte Taxi Times Durchfallquoten von bis zu über 60 Prozent bei den regulären Prüfungen (siehe hier). Dass es überhaupt einen Markt für gekaufte Prüfungen mit Preisen zwischen 3.000 und 7.000 Euro gab, sagt über die tatsächliche Schwierigkeit der Fachkundeprüfung Taxi und Mietwagen mehr aus als jeder Anbieter-Werbespruch: Wer die Prüfung als Lappalie ansieht, ist ihr schlicht nicht gewachsen.
Sprachbarriere bei juristischem Fachdeutsch
Der Nürnberger Fall verstärkt die Erkenntnis , die in der Branche lediglich hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird: Unter den Kandidaten, die bezahlt haben, sollen viele „der deutschen Sprache nicht so mächtig“ gewesen sein und „Schwierigkeiten“ damit gehabt haben, „auf Anhieb den Unterschied zwischen Grundschuld und Hypothek zu erklären“ (Zitat aus dem oben erwähnten Beitrag). Wer in Berlin einen Funkkurs leitet, kennt diese Situation aus der Praxis nur zu gut: Es ist nicht das wirtschaftliche oder rechtliche Konzept, das den Kandidaten zu schaffen macht, es ist die deutsche Fachterminologie, in der es geprüft wird. Mit Begriffen wie Kabotageverbot und Disagio, Vollkasko und Teilkasko, Beförderungs- und Anzeigepflicht können angehende Taxi- und Mietwagenunternehmer, die vorher als angestellte Fahrer arbeiteten und nun in das Unternehmertum wechseln wollen, zunächst wenig anfangen. Doch als künftige Unternehmer muss man sich mit den rechtlichen und finanziellen Grundlagen, die hinter diesen Begriffen stecken, auskennen und sie anwenden können.
Veraltetes Lernmaterial
Die PBefG-Novelle 2021 hat den rechtlichen Rahmen spürbar verschoben: App-basierte Beförderungsdienste, neue Mindeststandards, Klimaschutzziele. Tarife in den großen Städten wurden 2024 und 2025 nachjustiert (siehe die aktuelle Tarif-Übersicht von Taxi Times). Wer mit Fragenkatalogen aus 2019 oder älter lernt, lernt, gerade in den mündlichen und in den Fallstudien-Teilen, schlicht an der heutigen Prüfung vorbei.
Regionalität in der mündlichen Prüfung
Bundesrecht ist die eine Hälfte, Ortsrecht die andere. Wer in Berlin geprüft wird, muss den Berliner Taxitarif sicher zitieren können: Grundpreis 4,30 Euro, Kurzstreckentarif 6,00 Euro für bis zu zwei Kilometer (und zwar, Achtung, beliebte Fangfrage, nur bei einem auf der Straße herangewunkenen Taxi), Kilometerpreis 2,80 Euro bis 3 km, 2,60 Euro bis 7 km und 2,10 Euro darüber, Stand der letzten Anpassung vom 28. Mai 2024. Auch in München werden vereinzelt Fragen nach dem dortigen Taxitarif gestellt.
Ähnlich heterogen, und ebenso gern abgefragt, ist die Lage bei der Fahrzeugfarbe. Berlin und München halten an der Pflichtfarbe Hellelfenbein (RAL 1015) fest, während sechs Bundesländer (Baden-Württemberg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Saarland und seit August 2025 auch Sachsen-Anhalt), die Vorschrift inzwischen aufgegeben haben. Wer den Unterschied nicht parat hat, gerät in der mündlichen Prüfung schnell ins Stocken. Und genau hier verlieren erfahrungsgemäß Punkte, die das Tagesgeschäft seit Jahren beherrschen, den Rechtsstand ihres IHK-Bezirks aber nie systematisch aufgearbeitet haben.
Vorbereitung auf die Fachkundeprüfung Taxi und Mietwagen
Vier Vorbereitungswege haben sich etabliert. Welcher passt, hängt vom Zeitbudget, der Sprachausgangslage und dem individuellen Lerntyp ab.
- Klassische Präsenzlehrgänge liefern Struktur, lokale Beispiele und einen festen Lernrhythmus.
Stärke: regionale Kompetenz, direkter Austausch mit Lehrenden aus dem Prüfungsumfeld.
Schwäche: Termin- und Ortsbindung, hoher Zeiteinsatz, begrenzte Kurszahlen pro Jahr. - Klassische Lehrbücher vertiefen den Stoff und eignen sich als Nachschlagewerk.
Stärke: belastbare juristische Tiefe, gut zum Markieren und Wiederholen.
Schwäche: Aktualisierungszyklen, bei Tarifänderungen oder Verordnungsanpassungen ist gedrucktes Material strukturell hinterher. - Reine Fragen-Abfrage-Apps trainieren effizient Abfrage von Multiple-Choice-Fragen
Stärke: schnelles Wiederholen großer Fragenmengen, niedriger Einstiegspreis.
Schwäche: meist wenig Tiefe für die Fallstudien und Kalkulationen und kaum Vorbereitung auf die mündliche Prüfung; regionale Differenzierung nicht existent. - Individualisierte Lern-Apps mit Regionalisierung und Mehrsprachigkeit sind die jüngste Kategorie. Sie kombinieren Fragen-Training, regionale Inhalte (Taxiordnung, Tarif) und sprachliche Brücken für Nicht-Muttersprachler.
Stärke: deckt genau die drei oben beschriebenen Hürden ab, Personalisierung für Lernplan basierend auf individuellen Schwächen
Schwäche: rein digital, wer ein Buch zum Blättern bevorzugt, sollte das parallel nutzen.
Ein deutsches Beispiel für diese letzte Kategorie ist Taxi-Meister.de, eine Plattform, die Lerninhalte an den jeweiligen IHK-Bezirk anpasst und Erklärungen unter anderem auf Türkisch, Arabisch und Persisch anbietet, bevor die deutschen Fachbegriffe eingeführt werden – und damit genau jene Brücke baut, deren Fehlen in Nürnberg ein Geschäftsmodell entstehen ließ, das es so nie hätte geben dürfen. jh
Beitragsfoto: KI-generiert








Witzigerweise ist der gesamte Beitrag eine Werbung für ein Unternehmen und aus meiner Sicht kein gutes Beispiel für fairen Journalismus. Ich kenne viele Nutzer der App, die nicht bestanden haben und teilweise sich herausgestellt hat, dass die Fragen mittels KI wie ChatGPT und Gemini erstellt worden sind. Prüfungsrelevante Fragen sehen anders aus.
Der Bezug zu Nürnberg ist bereits verjährt und keine Neuigkeit mehr. Schwarze Schafe gibt es überall.