In München sind erstmals autonome On-Demand-Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs. Drei umgerüstete VW ID. Buzz werden im Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg erprobt. Noch fahren sie ohne Fahrgäste – später sollen Nutzer Fahrten per App bestellen und sich die Fahrzeuge mit anderen Fahrgästen teilen können.
Die Stadtwerke München (SWM), die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und die Ingenieurgesellschaft IAV haben den Testbetrieb mit drei automatisierten VW ID. Buzz gestartet. Die Fahrzeuge sind im Stadtviertel Gern unterwegs und Teil des Forschungsprojekts MINGA („Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“).
Zunächst fahren die Fahrzeuge auf festgelegten Strecken noch ohne Fahrgäste. Während des Testbetriebs sind derzeit noch Sicherheitsfahrer an Bord. Zusätzlich werden die Fahrzeuge von einer technischen Aufsicht überwacht. Die Erprobung erfolgt auf Grundlage einer Genehmigung nach der Verordnung über Kraftfahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion (AFGBV), die SWM und MVG seit Mitte August vorliegt.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen orientieren sich die Fahrzeuge an Funktionen des Automatisierungslevels 4. Dabei übernimmt das Fahrzeug innerhalb eines festgelegten Betriebsbereichs die Fahraufgabe selbst. Kameras und weitere Sensoren erfassen die Umgebung, während die Software die Verkehrssituation bewertet und Fahrentscheidungen trifft.

IAV hat auf Basis des VW ID. Buzz ein automatisiertes Shuttle mit entsprechender Sensorik und Self-Driving-Software entwickelt. In der ersten Testphase sollen unter anderem Daten zum Fahrverhalten, zur Umfeldwahrnehmung, zur Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern und zur Betriebsstabilität gesammelt werden.
Aus Sicht der Taxi- und Mietwagenbranche dürfte vor allem die nächste Ausbaustufe interessant sein. Mobilitätsreferent Georg Dunkel kündigt an: „Mit dem Start des Testbetriebs, an dem sich die Landeshauptstadt München finanziell maßgeblich beteiligt, bringen wir gleich zwei Zukunftstechnologien auf die Straße: autonomen Verkehr und On-Demand-Mobilität.“
Funktioniert der technische Betrieb zuverlässig, soll das Testgebiet erweitert und die On-Demand-Plattform des Projektpartners ioki integriert werden. Dann sollen die Fahrzeuge nicht mehr ausschließlich vorab festgelegte Teststrecken abfahren. Stattdessen sollen Fahrtwünsche kurzfristig über eine App eingehen. Die Software weist den Fahrzeugen entsprechende Routen zu und soll außerdem mehrere Fahrtwünsche bündeln können. Das Prinzip entspricht damit einem Ridepooling-Angebot: Fahrgäste bestellen ihre Fahrt nach Bedarf, Personen mit ähnlichen Fahrtzielen können gemeinsam in einem Fahrzeug befördert werden. Vielen Münchnern ist das eventuell noch durch das Projekt Isartiger bekannt, wo man bereits 2018 das Ride-Polling im On-Demand-Verkehr erprobte.
Minga ist ausdrücklich als Ergänzung des bestehenden ÖPNV konzipiert. Als mögliche Einsatzfelder nennen die Projektverantwortlichen unter anderem Zubringerverkehre, Gebiete beziehungsweise Zeiten mit geringerem Verkehrsangebot und zusätzliche Verbindungen. Im Testgebiet Gern soll insbesondere untersucht werden, wie ein On-Demand-Angebot die Anbindung an die U-Bahn und damit die sogenannte erste und letzte Meile verbessern kann.
Derzeit dürfen noch keine regulären Fahrgäste mitfahren. In einer späteren Projektphase ist jedoch die Mitfahrt einer geschlossenen Gruppe von Testnutzern vorgesehen. Interessierte können sich bereits registrieren. Allerdings gibt es auch Einschränkungen, die als Technologieträger eingesetzten Fahrzeuge verfügen nicht über einen barrierefreien Zugang.
Das gesamte Forschungsprojekt Minga läuft bis Mitte 2027 und wird vom Bund mit rund 13 Millionen Euro gefördert. Insgesamt arbeiten Partner aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft an der Erprobung automatisierter Mobilitätsangebote für den Münchner Nahverkehr.
Siehe auch: Eine Sammlung von Taxi-Times-Artikeln zum Thema Autonomes Fahren
Beitragsfoto: Matthias Erb (IAV) und Sinaida Cordes von SWM/MVG mit einem der drei Fahrzeuge, die jetzt im Testbetrieb durch das Münchner Stadtviertel Gern fahren. Foto: SWM/MVG






