Die unhaltbare Halteplatzsituation am Hauptbahnhof Frankfurt am Main und das Vorgehen der Behörden veranlassten Taxler vorletzte Woche zu einer kurzfristigen Kundgebung gegen das anhaltende Chaos.
Die aktuelle Verkehrssituation rund um den Frankfurter Hauptbahnhof sorgt seit Längerem für massive Probleme im Taxigewerbe. Durch die Sperrung der bisherigen Taxihalteplätze im Bereich „Hauptbahnhof Mitte“ und die aus Sicht der Betroffenen unzureichende Ersatzlösung auf der Nordseite des Hauptbahnhofs kommt es täglich zu erheblichen Verkehrsproblemen, langen Wartezeiten und wirtschaftlichen Belastungen für zahlreiche Taxiunternehmen und Fahrer.
Das teilt ein Interessenverband mit, der sich „Taxi Allianz Deutschland“ nennt und sich für eine funktionierende Lösung einsetzt. An der Spitze des Verbandes steht Taxiunternehmer Rafi Fagirzai. Nach seinen Angaben stehen auf der eingerichteten Ersatzfläche lediglich begrenzte Stellplätze zur Verfügung, obwohl täglich eine deutlich höhere Anzahl von Taxis am Frankfurter Hauptbahnhof eingesetzt werde.
Besonders problematisch sei laut Fagirzai die fehlende bzw. unzureichende Fahrgastlenkung. „Viele Reisende verlassen den Hauptbahnhof weiterhin über den bekannten Hauptausgang und finden die verlagerten Taxistände auf der Nordseite nicht. Dadurch entstehen für zahlreiche Fahrer stundenlange Wartezeiten ohne Fahrgäste, obwohl gleichzeitig am Hauptausgang weiterhin erheblicher Bedarf an Taxibeförderung besteht“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Vorletzte Woche kam es laut einem Bericht von Fagirzai zu zahlreichen ordnungsrechtlichen Maßnahmen durch Stadtpolizei und weitere Behörden. Viele Taxifahrer seien am Freitag wegen angeblicher unzulässiger Bereitstellung verwarnt oder aufgefordert worden, den Bereich des Hauptbahnhofs zu verlassen.
In der Folge meldete die „Taxi Allianz Deutschland“ noch für denselben Tag eine Kundgebung an, an der zahlreiche Taxifahrer teilnahmen – völlig unabhängig von den durch die Taxi-Vereinigung organisierten Protesten gegen die MBE-Verzögerung. Prompt erfolgte eine Reaktion von politischer Seite: Frank Nagel, Stadtverordneter und mobilitätspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, dem Frankfurter Stadtparlament, suchte vor Ort das Gespräch mit den betroffenen Fahrern und Unternehmern, um sich ein Bild zu machen.
Fagirzai kommentiert: „Wir wollen keine Eskalation und keine Verkehrsbehinderung. Wir möchten lediglich unserer gesetzlichen Betriebs- und Beförderungspflicht ordnungsgemäß nachkommen und Fahrgäste am Frankfurter Hauptbahnhof zuverlässig befördern. Die derzeitige Situation funktioniert in der Praxis jedoch nicht. Es fehlt an ausreichenden Stellflächen, an klarer Fahrgastlenkung und an einer praktikablen Übergangslösung.“
Die Taxi Allianz Deutschland fordert daher eine kurzfristige Überprüfung der aktuellen Verkehrsregelung, zusätzliche und praktikable Stellflächen, bessere Beschilderungen für Fahrgäste sowie eine teilweise Wiederfreigabe des bisherigen Taxihalteplatzes am Hauptbahnhof.
Die Mobilität gilt in Frankfurt am Main als besonders stark umstrittenes Thema. Die zunehmende Unzufriedenheit mit der primär radverkehrsorientierten Verkehrspolitik der bisherigen Stadkoalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt führte zu einer Erstarkung der CDU und einer Machtverschiebung bei der diesjährigen Kommunalwahl, bei der die CDU stärkste Kraft wurde und die Grünen erheblich Stimmenanteile einbüßten und damit auf Platz 2 abrutschten. Die SPD ist weiterhin drittstärkste Kraft.
Ursache für die Unzufriedenheit mit der Situation am Hauptbahnhof ist der großflächige Umbau des 1888 eröffneten Kopfbahnhofs. Schon bei Bekanntwerden der Baupläne durch die Deutsche Bahn 2013 hatte das Taxigewerbe seinen Unmut geäußert. Man ahnte, dass die Taxihalteplätze vom Haupteingang weg an weniger attraktive Orte verlegt werden könnten. Der damalige Taxi-Verbandsvorsitzende Hans-Peter Kratz, heute Vorstandsmitglied im Bundesverband Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM), sprach davon, die Fahrer wollten nicht „an den Katzentisch“. Reisende müssten die Taxen trockenen Fußes und schnell erreichen können.

2020 wurde es ernst, als große Teile des Bahnhofsvorplatzes als Baustelleneinrichtungsfläche genutzt, mit Containern belegt oder für Baustellenlogistik gesperrt wurden. Die Folge waren deutlich weniger Taxistandplätze, chaotische Zufahrten, für Fahrgäste schlechter auffindbare Taxis, eine teils gefährliche Fußgängerführung sowie längere Wartezeiten und wirtschaftliche Einbußen für Fahrer.
Die Bauarbeiten dauern bereits deutlich länger als angekündigt. Nach den Plänen der Deutschen Bahn sollen unter anderem die auf dem Vorplatz untergebrachten Taxistände an den Nordausgang verlegt werden. „Die Welt“ zitierte Kratz 2013 mit der Angabe, Frankfurter Taxifahrer erzielten 20 Prozent ihres Umsatzes mit Fahrten vom Hauptbahnhof. ar
Fotos: Taxi Allianz Deutschland








