Viele der über 60 Teilnehmer hatten wohl hauptsächlich Tipps zum Kauf einer Unfallkamera erwartet. Im Online-Webinar „Garantiert weniger Unfälle mit Cloud-Kameras“ von Taxi Times und Dittmeier gab es aber sehr viel mehr.
Die Kamera ist nicht der Spion, sondern der Partner und Schutzengel des Fahrers. Mit dieser zentralen Aussage nahm Florian Wäsch, IT-Leiter der Dittmeier Versicherungen GmbH und Hauptreferent des Online-Webinars, vielen Teilnehmern von vornherein die Bedenken bezüglich derjenigen Aufnahmen von Unfallkameras, die nicht nur das Fehlverhalten und die Lügen anderer Verkehrsteilnehmer aufdecken, sondern auch Aufschluss darüber geben, welche guten oder schlechten Fahrgewohnheiten der eigene Fahrer hat. Für die guten kann der Unternehmer seine Fahrer loben – was laut Wäsch zehnmal nachhaltiger wirkt als negative Kritik für Fehler –, und die verbesserungswürdigen, die einem ohne Dashcam überwiegend gar nicht bewusst geworden wären, kann man analysieren und optimieren – Stichwort Fahrer-Coaching, eine Funktion, die sich im Zusammenhang mit herkömmlichen Dashcams wohl nur wenige vorgestellt hätten.

Für viele Unternehmer unter den Teilnehmern des von Taxi Times und Dittmeier veranstalteten Online-Webinars öffneten diese Informationen den Blick auf ein Feld von Möglichkeiten für Einsparungen bei der Betriebsführung – wichtiger denn je angesichts der angespannten Situation vor allem im städtischen Taxigewerbe: Schadenskosten sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Bekanntlich können selbst kleine Unfälle schnell Kosten im fünfstelligen Bereich verursachen. Gleichzeitig zeigte Wäsch, dass über 90 Prozent der Unfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind – etwa durch Abbiegefehler, unzureichenden Abstand, unangepasste Geschwindigkeit oder Ablenkung. Technische Defekte oder äußere Umstände spielen demgegenüber eine deutlich geringere Rolle. Vor diesem Hintergrund wurde deutlich, dass Präventionsmaßnahmen vor allem beim Fahrverhalten ansetzen müssen.
Hier setzt das vorgestellte Dashcam-System an. Es fungiert nicht nur als klassisches Beweissicherungsinstrument, sondern als aktives Assistenz- und Coaching-Werkzeug. Ein zentrales Element ist das sogenannte „Safety Scoring“, bei dem jeder Fahrer einen individuellen Wert zwischen 0 und 100 Punkten erhält, der auf Basis konkreter Ereignisse wie starkem Bremsen, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder riskanten Manövern angepasst wird. Diese objektive Bewertung schafft Transparenz und dient als Grundlage für gezielte Maßnahmen.
Ergänzt wird das System durch eine Fahrer-App, in der die Nutzer ihren aktuellen Punktestand einsehen und so nachvollziehen können, welche Situationen zu Punktabzügen geführt haben. Dieser Ansatz folgt bewusst dem Prinzip der „Gamification“: Fahrer werden wie in einem Spiel um Punkte motiviert, ihren Wert zu verbessern – und damit sicherer zu fahren. Gleichzeitig können Unternehmen gute Leistungen sichtbar machen und gezielt honorieren, etwa durch Prämien oder Bonusprogramme. Dies trägt nicht nur zur Sicherheit bei, sondern erhöht auch die Attraktivität des Arbeitgebers und stärkt die Mitarbeiterbindung.

Ein weiterer zentraler Bestandteil ist das oben erwähnte Fahrer-Coaching, das sowohl aktiv als auch passiv erfolgt. Während beim aktiven Coaching konkrete Fahrten anhand von Videoaufzeichnungen analysiert und besprochen werden, gibt das System im passiven Modus direkte Rückmeldungen während der Fahrt – vergleichbar mit einem digitalen Fahrlehrer. Dadurch lassen sich Verhaltensänderungen nachhaltig etablieren, ohne dass man sich vom Chef kontrolliert fühlt.
Neben der Verbesserung der Fahrsicherheit hebt Dittmeier insbesondere die wirtschaftlichen Vorteile hervor. Weniger Unfälle bedeuten geringere Reparaturkosten, reduzierte Ausfallzeiten und niedrigere Versicherungsaufwendungen. Darüber hinaus führt ein defensiveres Fahrverhalten zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch und weniger Verschleiß an den Fahrzeugen.
Wie stark dieser Effekt sein kann, belegte Wäsch an Beispielzahlen. Schon in den ersten sechs Monaten nach dem Einbau eines KI-gestützten Kamerasystems in eine Fahrzeugflotte zeigen sich in der Regel eine Senkung der sogenannten Ereigniszahlen, darunter besonders die unerlaubte Handynutzung am Steuer, eine Senkung der Schadenfrequenz, deutlich reduzierte Schadenkosten, Einsparung von Selbstbehalten, eine spürbare Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs sowie eine Steigerung der Akzeptanz solcher Kameras durch das Fahrpersonal.
Beispielzahlen für nur einen dieser Punkte: Durch eine leichte Optimierung des Fahrverhaltens beim Personal lässt sich realistisch ein halber Liter Treibstoff – also bei den derzeitigen Preisen rund ein Euro – pro 100 Kilometer einsparen. Wie viel Ersparnis dadurch zusammenkommt, kann jeder Unternehmer leicht anhand seiner eigenen Kilometerleistung ausrechnen: Legt ein gut ausgelastetes Taxi täglich 200 Kilometer zurück und ist fünf von sieben Tagen die Woche im Einsatz, so beträgt die wöchentliche Ersparnis schon zehn Euro – und die jährliche Ersparnis somit um die 500 Euro pro Fahrzeug.
Die im Webinar gezeigten Praxisbeispiele verdeutlichen zudem den Nutzen der Videoaufzeichnungen im Alltag. Nicht nur, dass sie in strittigen Unfallsituationen klare Beweise liefern und Fahrer vor falschen Anschuldigungen schützen – die ursprüngliche Idee und Funktion von Dashcams. Bei Konflikten im Straßenverkehr können Kameras außerdem deeskalierend wirken: Wie ein Zauberstab bringt der Fingerzeig eines Busfahrers auf seine Kamera in einem der Videos zwei auf Krawall gebürstete Autofahrer, die sich – obwohl sie selbst grobes Fehlverhalten an den Tag gelegt hatten und nicht der Busfahrer – durch Hupen offensichtlich in ihrer Ehre gekränkt fühlen, zur sofortigen Einstellung ihres Drohverhaltens und zum Weiterfahren. Nützlich ist der Kamerabeweis auch oft bei Vorfällen mit Fußgängern oder Radfahrern, bei denen die Schuldfrage oft schwer zu klären ist. Die visuelle Dokumentation sorgt hier für Rechtssicherheit und kann im Ernstfall existenzielle Folgen für das Fahrpersonal abwenden.

Abgerundet wird das System durch ein zentrales Analyse-Portal, das unter anderem sogenannte Hotspots identifiziert – also Orte, an denen es besonders häufig zu kritischen Situationen kommt. Unternehmen können diese Erkenntnisse nutzen, um gezielte Schulungen durchzuführen und präventive Maßnahmen noch effektiver auszurichten.
Insgesamt zeigte das Webinar, dass moderne Dashcam-Systeme weit über ihre ursprüngliche Funktion hinausgehen und sich zu einem strategischen Instrument für Sicherheit, Effizienz und Personalentwicklung in der Verkehrsbranche entwickelt haben.
Den Teilnehmern und all jenen, die sich zum Webinar angemeldet hatten, aber nicht dabei sein konnten, haben die Dittmeier GmbH und der Taxi-Times-Verlag ein Begleitheft zur Verfügung gestellt, in dem die Webinar-Inhalte kompakt zusammengefasst sind. ar
Screenshots: Dittmeier GmbH







