Der seit Monaten exponentielle Anstieg der Spritkosten macht jenen Fahrdiensten zu schaffen, die sich auf die Beförderung kranker Menschen spezialisiert haben. Aufgrund langfristiger Verträge können die Mehrkosten nicht umgelegt werden. Die Bitte um einen Spritzuschlag wird von den Krankenkassen abgelehnt.
Der in Nordrhein-Westfalen ansässige Verband der Kranken- und Behindertenfahrdienste e.V. (VdKBf) schlägt Alarm: „Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einem beispiellosen logistischen Zusammenbruch.“
Die Ursache für diese dramatische Zustandsbeschreibung liegt in der Spritpreisexplosion seit Februar 2026 und der Hinhaltetaktik der Krankenkassen gegenüber den betroffenen Transportunternehmen. Seit fast fünf Monaten weise man als Verband die gesetzlichen Krankenkassen auf die dramatischen Auswirkungen der explodierten Kraftstoffkosten hin. Doch trotz wiederholter schriftlicher Mahnungen, persönlicher Gespräche und konkreter Lösungsvorschläge gäbe es bis heute keine verbindliche Entscheidung, erhebt der Verband der Kranken- und Behindertenfahrdienste e.V. (VdKBf) schwere Vorwürfe in Richtung AOK und Verband der Ersatzkassen.
„In keinem einzigen Bundesland wird aktuell ein Kraftstoffzuschlag gewährt. Stattdessen flüchten sich die federführenden Kostenträger, allen voran der Verband der Ersatzkassen (vdek) und die AOK, in Hinhaltetaktiken und vertrösten die Existenzkämpfer auf eine vdek-Bundesverbandssitzung in Berlin am 12. August 2026“, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. Er prophezeit einen flächendeckenden Stillstand der ambulanten Patientenmobilität noch in diesem Sommer und ruft die gesamte Branche bundesweit zum Schulterschluss auf.
Die Interessenvertretung der Fahrdienste spricht davon, dass die Rücklagern aufgebraucht und die Belastungsgrenze pulverisiert sei: „Seit Beginn der Corona-Pandemie mussten Kranken- und Behindertenfahrdienste eine Krise nach der anderen bewältigen: Pandemie, Energiekrise, Inflation, steigende Lohnkosten und nun erneut massiv gestiegene Kraftstoffpreise. Wegen der dauerhaft schlechten und extrem knapp kalkulierten Vergütungssätze für Krankenfahrten konnten die Unternehmen keinerlei finanzielle Rücklagen bilden, um Krisen abzufedern. Viele Fahrdienste litten bereits vor den aktuellen Preissprüngen unter massivem Druck und bangen ohnehin jeden Tag um ihre Existenz. Die explodierten Kraftstoffkosten wirken nun wie ein Brandbeschleuniger.
Der VdKBf steht mit seiner Forderung nicht alleine: Auch die drei großen regionalen Taxiverbände haben identische Anträge auf Kraftstoffzuschläge eingereicht, um die gehfähigen Krankenfahrten zu retten“, berichtet der Verband. „Doch vdek-Verhandlungsführer Herr Panberg in Dortmund und die AOK NordWest mauern. Zwar signalisierte Herr Althoff von der AOK NordWest in einem Telefonat am 21. Juli die vage Bereitschaft, das Thema nochmals intern im Kreis der Kassen zu bewegen, doch konkrete Hilfen gibt es weiterhin nicht.“
Stefan van Asch, 1. Vorsitzender des VdKBf, beschreibt die bisherigen vergeblichen Bemühungen: „Wir haben in den vergangenen fast fünf Monaten alles versucht. Wir werden von den Kassen immer wieder vertröstet. Unsere Unternehmen können von Vertröstungen aber keinen einzigen Liter Diesel bezahlen. Es ist ein unhaltbarer Skandal: Erste Mitgliedsunternehmen wissen wegen dieser Blockadehaltung nicht mehr, wie sie die Krankenkassenbeiträge für ihre eigenen Angestellten bezahlen sollen. Die Kassen treiben ihre eigenen Leistungserbringer in den Ruin.“
Das Dilemma speziell der Krankenfahrdienste: Anders als nahezu jede andere Branche können sie die Mehrkosten nicht an den Markt weitergeben, da sie an langfristige Verträge mit den Kassen gebunden sind. „Wenn nun allerdings kein Geld mehr für Diesel da ist, bleiben die Fahrzeuge stehen“, zählt der Verband die Konsequenzen auf. Doch damit nicht genug: „Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits Realität: Erste Unternehmen mussten ihren Betrieb einstellen“.
Der VdKBf warnt vor den Folgen für die medizinische Infrastruktur, wenn für diese Fahrten keine Unternehmen mehr zur Verfügung stehen. Millionen schutzbedürftige Dialyse-, Chemo- und Strahlentherapie-Patienten in ganz Deutschland würden dann unversorgt zu Hause bleiben müssen. Auch für die Kliniken wären die Folgen fatal: Weil rund 80 Prozent aller Fahrten nach Krankenhausentlassungen durch die Fahrdienste abgewickelt werden, würden entlassungsreife Patienten die Betten länger als nötig blockieren, wenn diese Entlassfahrten nicht mehr durchgeführt werden könnten. Das würde dann einen wahren Rattenschwanz nach sie ziehen, denn mangels Betten könnten die Kliniken dann auch keine akuten Notfälle mehr aufnehmen.
Da wäre es dann auch keine Hilfe mehr, wenn die Fahrten künftig vom (viel teureren) Rettungsdienst übernommen werden, denn auch die würden bereits am Limit arbeiten.
Der VdKBf ruft nun alle Kranken- und Behindertenfahrdienste, Liegemietwagenunternehmen sowie sämtliche Landes- und Bundesverbände der Patientenbeförderung dazu auf, sich seiner Forderung anzuschließen. Die aktuelle Entwicklung beträfe Unternehmen in ganz Deutschland: „Wir verlangen keine Sonderbehandlung. Wir verlangen lediglich, dass außergewöhnliche Krisen nicht ausschließlich auf dem Rücken der Leistungserbringer ausgetragen werden“, erklärt der 2. Vorsitzender Adrian Blaschke unmissverständlich. „Wenn wir uns den Kraftstoff schlicht nicht mehr leisten können, bewegen sich die Fahrzeuge nicht mehr. Wer Versorgungssicherheit fordert, muss auch bereit sein, außergewöhnliche Kostenentwicklungen gemeinsam zu tragen.“
Der VdKBf fordert den Bundesgesundheitsminister und die Landesregierungen auf, diese Hinhaltetaktik des vdek und der AOK sofort per Machtwort zu stoppen. „Die gesetzlich vorgeschriebene Versorgungssicherheit ist in Deutschland definitiv nicht mehr gegeben.“
Beitragsfoto: KI-generiert. Die dort angezeigten Preise stammen von benzinpreis.de. Es handelt sich dabei um den Stand vom 3.8.26 um 13.30 Uhr.






Das Ergebnis von raffgierigen Unternehmern, die jeden Streikversuch der Verbände untergraben haben und sich für die billigen Preise der Kassen verraten haben! Das war absolut erwartbar!
Es fehlt eben die Einigkeit der Unternehmer, keine Verträge unter einem zuvor festgesetzten Limit zu unterschreiben oder gar gänzlich auf diktierte Rabatte zu verzichten! Eine Kfz-Versicherung diktiert der Werkstatt schließlich auch nicht, was die Reparatur kosten soll!
Da die Krankenkassen dick in der Miese sind (für Jahrzehnte) und auch weiterhin Leistungen bei den eigenen Versicherungsnehmerin kürzen werden, ist von den Krankenkassen rein gar Nichts zu erwarten! Leider!
Ich verstehe die Aufregung nicht, langfristige Verträge haben viele Vorteile , aber natürlich auch Risiken.
Beide Partner sollten dafür Verständnis haben.
Vielleicht sollte man vorher überlegen wie Verträge gestaltet werden , wenn alle immer nur unwillig irgendwie irgendwas zusammenschustern , sollte man nicht meckern.
Davon ab scheint gerade die AOK ohnehin ein „sehr spezieller“ Partner zu sein, zumindest wenn man deren arrogantes Auftreten und das rechtlich grenzwertig Verhalten sieht.
In unserem Kreis sagt man , Versicherte guter Kassen , haben eine sehr gute Versorgung bei Ärzten und auch beim Transport. Versicherte der AOK , oder gar der DAK , haben halt oft weniger Glück.
Wie wir sehen , intelligente Verträge sind wichtig
, aber nicht alles .
Dieses Gewerbe wird von kaum einer Seite noch ernst genommen und rechnet sich auch bei Spritzuschlägen nicht mehr, also immer locker
Die ganze Angelegenheit ist wieder mal ein gutes Beispiel, dass man sich als Unternehmen aktuell nicht auf langfristige Verträge einlassen kann. Zudem müssen Verträgen immer Sondervereinbarungen enthalten sein, die bei Sondersituationen greifen. Ansonsten sollte man tunlichst die Hände davon lassen. Leider wird es immer Unternehmen geben, die um es nett auszudrücken, nicht gerade die hellsten Kerzen auf der Torte sind, und für einen Apfel und Ei fahren. Um derartige Spielchen zu unterbinden hilft nur eins: Die Abschaffung von Einzelverträgen, die Pflichtmitgliedschaft im jeweiligen Landverband sowie die verpflichtende Prüfung auf Wirtschaftlichkeit jedes durch die Vertragspartner ausgehandelten Vertrages durch die jeweilige Aufsichtsbehörde! Da das Amt die Taxitarife bereits auf der Grundlage von wirtschaftlichen Daten beschlossen und erstellt hat, sind daher auch die Eckdaten der Krankenkassenverträge klar geregelt und lassen keinen großen Spielraum noch oben oder unten zu. Problem gelöst!