Am Münchner Hauptbahnhof droht dem Taxigewerbe der nächste Verlust wichtiger Standplätze. Die verbliebenen Taxiplätze in der sollen sogenannten „Kiss & Ride“-Flächen weichen. Die Taxi-München eG kritisiert die Pläne des Mobilitätsreferats scharf. Protestaktionen stehen im Raum.
Die Situation für das Münchner Taxigewerbe am Hauptbahnhof könnte sich weiter verschärfen. Wie die Taxi-München eG in einer aktuellen Mitteilung erklärt, plant das Mobilitätsreferat (MOR) der Landeshauptstadt, die noch vorhandenen Taxistandplätze in der Bayerstraße vor dem Hotel Le Méridien ab dem kommenden Dienstag aufzuheben. Statt Taxis, die sich bereithalten sollen dort künftig Fahrzeuge zum kurzfristigen Bringen und Abholen von Personen halten können.
Für die Münchner Taxigenossenschaft ist diese Entscheidung ein weiterer Einschnitt in die ohnehin angespannte Infrastruktur rund um den Hauptbahnhof. Die Vorstände Thomas Kroker und Ertekin Kocer sprechen von einem erneuten Angriff auf die wirtschaftliche Grundlage der Taxibranche. Bereits in der Vergangenheit hatte das Gewerbe, durch die Umbauarbeiten des Bahnhofsgebäudes, den Wegfall von wichtigen Taxistandplätzen beklagen müssen.

„Das Taxigewerbe hält die Versorgung am Hauptbahnhof unter schwierigsten Bedingungen aufrecht. Als Antwort werden ihm weitere Standplätze genommen. Unsere Fahrerinnen und Fahrer brauchen sichtbare, erreichbare Arbeitsplätze. Das Mobilitätsreferat verdrängt sie aus dem Blickfeld der Fahrgäste“, kritisieren die beiden Vorstände.
Besonders problematisch ist aus Sicht der Genossenschaft die Lage des betroffenen Standplatzes. Direkt vor dem Hotel gelegen, bietet er sowohl Bahnreisenden als auch Hotelgästen eine Möglichkeit, unmittelbar ein Taxi zu finden.
Fällt dieser Anlaufpunkt weg, könnten sich der ohnehin schon lange Weg, bei dem auch eine Straße überquert werden muss zum nächsten verfügbaren Taxi verlängern. Vor allem ältere Menschen, mobilitätseingeschränkte Fahrgäste und Reisende mit schwerem Gepäck wären davon betroffen.
Der Hinweis vom Mobilitätsreferat, dass Taxis auf den neuen „Kiss & Ride“-Flächen weiterhin Fahrgäste aussteigen lassen dürfen, ist für Taxi-München kein ausreichender Ersatz. Vorstand Thomas Kroker bezeichnet diesen wiederholten Hinweis des Mobilitätsreferats als „Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat“.
Entscheidend sei schließlich nicht nur, wo ein Taxi seine Fahrgäste absetzen dürfe, sondern in erster Linie auch, wo Fahrzeuge auf neue Kunden warten könnten und wie Reisende diese finden sollen.
Nach Einschätzung von Taxi-München könnte die geplante Umgestaltung zusätzliche Probleme im ohnehin stark belasteten Bahnhofsumfeld verursachen. Befürchtet werden mehr Suchverkehr, Konflikte um die verbleibenden Haltemöglichkeiten und Beschwerden von Fahrgästen, Hotels und anderen Verkehrsteilnehmern.

„Die Probleme sind vorprogrammiert. Man kann einen funktionierenden Taxistand streichen – die Nachfrage der Fahrgäste verschwindet dadurch nicht“, erklärt Vorstand Ertekin Kocer.
Sollten die befürchteten Schwierigkeiten eintreten, könne sich das Mobilitätsreferat nach Auffassung der Genossenschaft nicht darauf berufen, von den Folgen überrascht worden zu sein, so die Taxi-München-Spitze. Man habe ausdrücklich auf die möglichen Konsequenzen hingewiesen.
Die Genossenschaft sieht in der Entscheidung allerdings nicht nur ein infrastrukturelles Problem. Sie befürchtet auch eine weitere Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen für das regulierte Taxigewerbe. „Wer das regulierte Taxigewerbe aus der Sichtbarkeit drängt, macht sich zum Steigbügelhalter für den Wildwuchs im Umfeld von Uber und Co.“, heißt es in der Mitteilung.
Während Taxiunternehmen auf gut erreichbare Standplätze angewiesen seien, wird nach Auffassung der Genossenschaft zunehmend die dafür notwendige Infrastruktur entzogen. Gleichzeitig fordert Taxi-München konsequentere Kontrollen gegen illegale Personenbeförderung und die Umgehung geltender Vorschriften.
Die Taxi-München eG fordert die Stadtverwaltung auf, die für den 20. Oktober vorgesehene Aufhebung der Standplätze auszusetzen. Stattdessen müsse gemeinsam mit dem Gewerbe eine tragfähige Lösung gefunden werden. Aus Sicht der Genossenschaft kommt dafür entweder der Erhalt des bisherigen Taxistands oder ein gleichwertiger Ersatzstandplatz infrage. Dieser müsse sich allerdings in unmittelbarer Nähe befinden und für Fahrgäste gut sichtbar sein.

Sollte die Stadt an ihren Plänen festhalten, will Taxi-München den Konflikt auch auf politischer und öffentlicher Ebene austragen. Dabei schließt die Genossenschaft sichtbare, friedliche Protestaktionen des Taxigewerbes ausdrücklich nicht aus. „Wer unsere Arbeitsgrundlage weiter beschneidet, muss sich der öffentlichen Auseinandersetzung stellen“, kündigt der Vorstand an.
Mit der geplanten Streichung der Standplätze verschärft sich damit der Konflikt zwischen dem Münchner Taxigewerbe und dem Mobilitätsreferat um die künftige Taxiversorgung am Hauptbahnhof.
Beitragsfoto: Schon jetzt ist der Taxstandplatz am Hotel le Méridien eine Zumutung für die Fahrgäste. Wenn dieser Platz verschwindet, dann ist das Taxi auf der Südseite nicht mehr vorhanden. Foto: Taxi Times aus der Sicht des Hotels)









„…die Nachfrage der Fahrgäste verschwindet dadurch nicht…“- ist wie das berühmte Pfeifen im Wald. Denn genau das wird durch das Verschwinden aus dem Blickfeld der Fahrgäste erreicht. Na, wer wird wohl profitieren?
Noch dazu, wenn zusätzlich Aussteigzonen geschaffen werden, die regelmäßig zu EINsteigzonen für die Pseudo/Fake-Taxis aus dem UberBolt&Co Lager umfunktioniert werden.
Irgendwo ums Eck haben sie schon illegal auf der Lauer gelegen, haben auf ihr Smartphone gestarrt, um als erster den Annahmebutton für den nächsten Auftrag zu drücken. Leider alltägliche Beobachtung. Könnten auch mal unsere verehrten Gewerbeaufseher beobachten.
Was sich als Zwischenlösung und Kompromiss an vielen Stellen bewährt hat, sind kurze Taxistände mit 3-4 Stellplätzen am unmittelbaren Bedarfsort und Nachrückzonen in unmittelbarer Nähe mit unbehinderter Sichtverbindung. Das ist mit gutem Willen sowohl in der Bayer- wie Arnulfstraße machbar.
Die Bauarbeiten haben die Zahl von 3 großen Taxiständen unmittelbar am Bahnhof auf 0 reduziert. Die jetzige Situation ist eine einzige riesige Katastrophe. Weggedrückt. Ins Abseits geschoben.
Die Rechtsgrundlage der Taxistände ist im PbefG §47/1, §47/2 zu finden.
Nach einem Urteil des BVerwG vom 22.Jan.2020 zum Thema Taxistände in München ist erkennbar, dass es nötig ist, den rechtlichen Zusammenhang des SYSTEM TAXI mit dem ÖPNV zu stärken.
Trotzdem hat es die Stadt selber in der Hand, die auch von ihr propagierte Verkehrswende und die festgelegten Klimaziele durch entsprechende Taxistände zu unterstützen.
Konkret bedeutet das, vor allem nah am Bahnhofsausgang die Taxis bereitzuhalten. Trotz Baustelle.
Die Verkehrswende und die Klimaziele Münchens passieren nicht einfach so. Gerade das Taxi ist ein wesentlicher Beitrag, um im überfüllten Innenstadtbereich den Verkehr zu entlasten. Taxi im Volleinsatz kann leicht mehr als 60 Fahrten am Tag mit eigenem Auto (verursacht Parkplatz-suchverkehr, -bedarf) ersetzen. Erfahrung aus dem eigenen Betrieb.