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Wie Uber und Bolt den Hamburger Minuskorridor missbrauchen

von Jürgen Hartmann
30. April 2026
Lesedauer ca. 3 Minuten.
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Seit kurzem dürfen in Hamburg auch Taxifahrten mit bis zu 20 Prozent unter dem Taxitarif vermittelt werden. Ein aktueller Bericht aus dem Hamburger Abendblatt deckt auf, dass vor allem die Plattformen Uber und Bolt dieses Instrument zur Marktverdrängung nutzen.

Festpreise für Taxifahrten innerhalb eines behördlich festgelegten Tarifkorridors gibt es mittlerweile in vielen deutschen Städten. Auch Hamburg geht diesen Weg, allerdings etwas anders: In der Hansestadt wurde der Tarifkorridor zweistufig eingeführt. Zunächst durften die Vermittler nur Fix-Fahrpreise anbieten, die über dem geltenden Taxitarif lagen. Seit kurzem dürfen sie nun zusätzlich auch Fahrten vermitteln, deren Preis um bis zu 20 Prozent unterhalb dessen liegt, was ein laufender Taxameter anzeigen würde.

Dieser Tarifkorridor wird innerhalb der Gewerbevertretungen sehr kontrovers diskutiert, was auch dazu führte, dass mit Hansafunk die größte Hamburger Taxizentrale an dem Feldversuch nicht teilnimmt.

Somit wird diese Preisflexibilität derzeit nur von den Plattformen Freenow by Lyft, Uber und Bolt genutzt – und dies sehr intensiv, wie ein am Wochenende erschienener Beitrag aus dem Hamburger Abendblatt belegt. Freenow By Lyft wendet ihn sehr regelmäßig an, wenn auch nicht durchgehend bis zur Maximalstufe von 20 Prozent. Bei Uber und Bolt würden laut Insiderberichten 80 bis 95 Prozent aller Fahrten mit dem Maximalrabatt von 20 Prozent angeboten. Dies sei auch dann geschehen, als in Hamburg im Februar ein Wintereinbruch und der Streik bei Bus und Bahn für ein deutlich höheres Fahrtaufkommen bei den Taxis sorgte.

Das sorgt für Empörung bei vielen Taxiunternehmern: „Vorher hieß es, Minuspreise solle es in Zeiten mit schwacher Nachfrage geben, bei hoher Nachfrage aber höhere Preise“ wird beispielsweise Jan Weber von Hansafunk zitiert. Und Jan Grupe von der Hamburger Taxenunion spricht davon, dass bei vielen Kollegen Frust und Unzufriedenheit über die Dumpingpreise herrsche. „Der Eindruck ist, dass da ein Preiskampf auf ihrem Rücken ausgetragen wird.“

Grupe erinnert auch an die ursprüngliche Absicht dieses Feldversuchs: „Der Test soll zeigen, ob niedrigere Preise letztlich zu mehr Umsatz für die Taxifirmen führen, so dass sie wieder eine stabile wirtschaftliche Grundlage haben.“ Ein nachhaltiger Erfolg sei nach neun Wochen Minuskorridor-Test aber noch nicht zu erkennen, berichtet das Abendblatt.

Die Zeitung lässt auch den Mehrwagenunternehmer Bülent Aktas zu Wort kommen, der mit einem Großteil seiner 120-Taxi starken Flotte bei Freenow By Lyft, Uber und Bolt angeschlossen ist: „Es war schon etwas schockierend, als selbst bei Schnee und Streik Fahrten mit 20 Prozent Preisabschlag vermittelt wurden“, sagte Aktas dem Abendblatt. Viele seiner Fahrer seien auch der Meinung, dass man eine Tour über 20 Kilometer, die dann gerade mal 43 Euro Umsatz einbringt, nicht fahren sollte.

Aktas Hoffnung ruht auf einer Auftragssteigerung bei den Kurzfahrten im Bereich zwischen acht und zwölf Euro. „Das könnte bedeuten, dass neue Kunden gewonnen werden“ mutmaßt er und meint, auch eine leichte Steigerung der durchschnittlichen Auslastung pro Betriebsstunde seiner Taxis festgestellt zu haben. „Entscheidend ist natürlich, ob auch der Umsatz pro Stunde wächst.“ Schade, dass im Hamburger Abendblatt genau zu dieser spannenden Frage keine Antworten gegeben werden.

Ob der Tarifkorridor dem Gewerbe wieder auf die Beine hilft, wird eine wissenschaftliche Auswertung der Daten aus dem bis Mitte Juni laufenden Test ergeben. Auf deren Grundlage sollen Experten noch in diesem Jahr einen Vorschlag machen, wie es weitergehen soll. jh

Symbol-Beitragsfoto: Mehr als die Hälfte aller Hamburger Taxis fahren mittlerweile auch Aufträge für Uber, Bolt und Freenow by Lyft. Deren Ausreizen des Festpreiskorridors nach unten auch zu nachfragestarken Zeiten sollten die Unternehmer nochmal zum Nachdenken anregen, ob diese Partnerschaften wirklich wirtschaftlich sind. 

Tags: HamburgHamburger AbendblattPlattformenTarifkorridorTaxitarif
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Jürgen Hartmann

Der Verlagskaufmann und ehemalige Taxiunternehmer gründete 2014, als Reaktion auf die Veränderungen innerhalb des Taxigewerbes, den Taxi Times Verlag. Als Herausgeber etablierte er die Taxi Times Print-Magazine und das Onlineportal Taxi-Times.com mit dem Anspruch, ein Sprachrohr für die Taxibranche zu schaffen.

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Kommentare 4

  1. Igor Isaev says:
    2 Monaten her

    Das ist dort in Hamburg nur so weil dort kein Mietwagen für die Plattformen fahren . Würde aber eine ausreichende Anzahl an Mietwagen geben würden die Platformen die Logik schnell ändern bzw. Mietwagen maximal niedrigen Preise Taxi maximal höchste Preise und somit würde jeder das billigste buchen . Auch wenn man dort mindesttarief hätte aber dass kommt noch ganz bestimmt nach Hamburg.

    Antworten
  2. J. Chronor says:
    2 Monaten her

    Sehr interessant, dass selbst bei hoher Nachfrage bei den taxigewerbefernen Plattformen die niedrigeren Preise angeboten werden.

    ‚Wieso das?‘ fragt sich, wer die Vorstellung hat, dass es um Marktwirtschaft geht.

    Tatsächlich geht es aber nicht um die Fahrgäste als Kunden oder um die Betriebsergebnisse der Taxiunternehmen, sondern um die Vormacht unter den Vermittlern!

    Die Absicht aller Vermittler ohne Rückbindung ans Taxigewerbe ist (natürlicherweise) ihr eigener Profit, den sie aus den Vermittlungen der Fahrten ziehen. Daran ändert die etwas andere Position von FreeNow nichts.

    Ein Taxi ist mit Auftrag unterwegs oder annahmebereit. Während Taxi Umsatz also nur aus durchgeführten Fahrten erzielen kann, sind diese Vermittler an der maximal erzielbaren Zahl (potenziell unbegrenzt) von Vermittlungen mit maximaler Provision interessiert. Mit einem Algorithmus lässt sich dieser ’sweetspot‘ kontinuierlich angepasst treffsicher ermitteln. Die Interessen der Fahrgäste sind nebensächlich, werden allenfalls zu populistischer Propaganda missbraucht.

    Hier geschieht also das gleiche, was ausser in Hamburg landauf landab mit den als Pseudo/Fake-Taxis missbrauchten Mietwagen passiert. Diese Vermittler unterstützen nicht das Geschäft ihrer Kunden (der Taxibetriebe), von denen sie bezahlt werden, sondern ausschließlich ihre eigenen Interessen.

    Nichts als Streben nach maximalem Profit und möglichst Monopol ohne Konkurrenz. Diesmal innerhalb eines gesetzlich geregelten Versuchs.

    Was für ein Versuchsergebnis!

    Antworten
  3. Frank says:
    2 Monaten her

    Völlig übersehen wird hierbei, daß Freenow die 20 Prozent Aufschlag vom zuvor rabattierten Preis, also auf Basis der 80 Prozent berechnet. Macht dann selbst bei extrem hoher Nachfrage nur 96 Prozent vom eigentlichen Tarif.

    Überhaupt ist der ganze Test irrwitzig. Man erwartet eine höhere Nachfrage?

    Taxi ist nicht preiselastisch sondern ein Bedarfsgeschäft! Niemand, wirklich niemand sagt sich morgens um halb Zwei: „Oh, Taxi, 20 Prozent Rabatt. Na dann Dreh ich doch ein paar Runden um den Block.“

    Wem 10 Euro für den Heimweg von der Bahnstation zu teuer sind, wird auch bei 8 Euro nicht die Taxe nehmen.

    Diese Tarifkorridore, in PBfG von Uber hineindiktiert, dienen ausschließlich der Verdrängung innerhalb des Marktes.

    Der Chef von Freenow hatte sogar öffentlich gelogen, als er sagte, die Festpreise (ohne Tarifkorridor) würden nicht angenommen werden. Dabei wurden zu dem Zeitpunkt über 90 Prozent der Touren bereits zum Festpreis gebucht. Damit hat er deutlich gemacht, um was es in Wirklichkeit geht. Markverdrängung via Dumping. Um Nix anderes.

    Zum Mindestbeförderungsentgeld. In vielen Genehmigungsbezirken wird hier der falsche Weg beschritten. Obwohl die Kosten für Mieteagen deutlich höher ausfallen, wird dort Dumping öffentlich erlaubt, indem die Unterschreitung des Tarifes gesetzlich festgeschrieben wird.

    Dabei ist der Taxitarif bereits auf Mindestlohn gerechnet. In Hamburg gibt es sogar einen Konzessionsstop, weil die derzeitigen Einnahmen den Mindestlohn NICHT decken. Ein MBE müßte also mindestens 50 Euro betragen UND 30 Prozent über dem Taxitarif liegen. Außerdem müssen die Bußgelder für den Verstoß gegen die Rückkehrpflicht drastisch angehoben werden um bei Wiederholungen konsequent zum Konzessionsentzug führen.

    Zum Schluß Mathe für einfach Gestrickte. Wenn man mit 20 Prozent Rabatt Kunden locken will, muß man für den gleichen Umsatz mindestens 25 Prozent mehr Fahrgäste akquirieren. Dann hat man zwar den gleichen Umsatz wie zuvor, aber für ein Viertel mehr Arbeit. Um den gleichen Gewinn zu erreichen, müßte man also eher über 30 Prozent mehr Fahrgäste in die Taxe bekommen.

    Man schlage das doch mal für den öffentlichen Dienst, einschließlich HVV, vor. 30 Prozent mehr arbeiten für den gleichen Lohn.

    Und warum haben wir nun so wenig Fahrgäste? Eigentlich ganz einfach zu beantworten, diese Frage.

    Erstens sitzen die ehemaligen Fahrgäste jetzt im Homeoffice, statt im Flieger. Wer nicht wegfliegt, muß auch nicht zum Flieger mit der Taxe. Egal wie billig wir werden.
    Zweitens hat es gerade die Rentner voll erwischt. Schon 2021 kam es dank der EU zur Preisexplosion bei Erdgas. 2022 kam dann die Inflation bei Lebensmitteln hinzu. Da ist also die Witwe, die zuvor vom Wochenmarkt mit der Taxe nach Hause gefahren ist. Jetzt zahlt sie jeden Monat hunderte Euro mehr Nebenkosten und gleichzeitig kostet die Runde über den Markt statt 30 jetzt 50 Euro. Ob nun 10 Euro oder 8 Euro ist egal. Die Taxe ist einfach nicht mehr drin. Geld was die Leite schlicht nicht haben, können sie auch nicht ausgeben.

    Antworten
  4. Erdem says:
    2 Monaten her

    Schmeißt die Plattformanbieter aus Hamburg raus, solange ihr noch die Möglichkeit dazu habt. Diese amerikanischen Plattformfirmen sind wie eine Pest: Sie tasten sich langsam heran und zerstören nach und nach die gesamte Branche. Sobald sie Fuß fassen, überwuchern sie den Taxi/Mietwagenmarkt vollständig.
    Ich kann nur an die Hamburger Taxibranche appellieren: Nutzt die Gelegenheit, solange sie noch besteht. Taxiunternehmer sollten konsequent aufhören, mit diesen Plattformen zusammenzuarbeiten. Denn heute gibt man ihnen einen kleinen Zugang, und morgen nehmen sie euch die gesamte Existenzgrundlage.
    In Berlin erleben wir aktuell genau diese Entwicklung. Es herrscht eine massive Überwucherung durch solche „Heuschrecken“, und die Situation verschärft sich von Tag zu Tag. Unsere Verbände und Politiker sind nicht fähig diese sogenannten Heuschrecken aus Berlin zu verbannen –
    Die Folge ist klar: Die Taxibranche trocknet immer weiter aus.

    Antworten

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