Der Nahost-Konflikt hat für das bayerische Taxi- und Mietwagengewerbe existentielle Auswirkungen. Der Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen e.V. (LVBTM) wendet sich daher mit einer ausführlichen E-Mail an die Bayerischen Staatsministerien für Verkehr und Wirtschaft.
Die Mail ist mit der Betreffzeile „Globale Krisen treffen lokale Mobilität“ namentlich an die bayerischen Minister Christian Bernreiter und Hubert Aiwanger adressiert. Man wolle die beiden Politiker frühzeitig auf das Problem der aktuell steigenden Energiekosten aufmerksam machen: „Der militärische Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran hat unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte“, schreibt der Verbandsgeschäftsführer Christian Linz. Die Energiekrise schlage spätestens seit dem 4. März 2026 auch im Bundesland Bayern voll durch: „Der Preis für den Liter Diesel hat die Schallmauer von zwei Euro dauerhaft durchbrochen“. Nach aktuellen Daten verschiedener Quellen liege der bundesweite Durchschnittspreis für Diesel bei ca. 2,04 bis 2,07 Euro pro Liter.
Analysten erwarten, dass diese Entwicklung anhalten und wohl auch weiter eskalieren wird. Für die energieintensiven bayerischen Wirtschaftsbereiche – insbesondere für die Transport- und Mobilitätsdienstleister – bedeutet dies erhebliche wirtschaftliche Risiken. Zu diesen Branchen zählt in besonderem Maße das Taxi- und Mietwagengewerbe. „Taxi-Unternehmen gehören bekanntermaßen zu den Mobilitätsanbietern mit hohen Fahrzeuglaufleistungen im Straßenverkehr“, führt Linz aus. Sie erreichten typische Jahresfahrleistungen von 50.000 bis 100.000 km pro Taxi, sind im Mehrschichtbetrieb im Einsatz und in den Ballungsräumen und Metropolregionen im Dauerbetrieb.
„Bereits der vorliegende Anstieg des Dieselpreises um 30 Cent pro Liter hat signifikante Auswirkungen auf die jährlichen Betriebskosten eines Taxi- oder Mietwagenbetriebes und erhöht diese im deutlich vierstelligen Bereich“, rechnet Linz vor. Steigt der Dieselpreis – wie aktuell – auf über zwei Euro pro Liter, entsteht ein erheblicher wirtschaftlicher Druck auf die Betriebe der Personenbeförderung.

Linz verweist auf die Sonderrolle des Taxis im bundesdeutschen Verkehrsmarkt Anders als andere Mobilitätsangebote ist die Taxibranche stark reguliert. Sie unterliegt der Genehmigungs-, Beförderungs-, Betriebs- und Tarifpflicht. Die letztgenannte Verpflichtung führt dazu, dass Taxiunternehmen ihre Preise nicht selbständig anpassen können, um die enorm angestiegenen Energiekosten auszugleichen. Die Beförderungsentgelte werden behördenseitig festgelegt.
Linz verweist darauf, dass das gesetzliche Regulatorium eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfülle: „Die eigenwirtschaftliche Verkehrsform Taxi gewährleistet als einziger rund-um-die-Uhr-Personenbeförderer Mobilität außerhalb des ÖPNV, Versorgung im ländlichen Raum, jederzeit verfügbarer Nacht- und Feiertagsverkehr, barrierefreie Mobilität und Kranken- und Spezialbeförderungen im SGB-Bereich.“
Der jetzt eingetretene Sprung bei den Spritpreisen, dessen markante Höhe übrigens eine deutsche Besonderheit darstellt, trifft auf ein Taxigewerbe, dessen wirtschaftliche Situation sich in den vergangenen Jahren aus mehreren Gründen erkennbar verschlechtert hat.
Zum einen haben digitale Mobilitätsplattformen und Mietwagenanbieter den Wettbewerb erheblich verschärft. „In den großen bayerischen Städten verzeichnen Taxi-Unternehmen existenzbedrohliche Umsatzrückgänge, während gleichzeitig Genehmigungen an die Verwaltungen zurückgegeben werden und Einkommen für Fahrer und Unternehmer erkennbar sinken“, führt Linz aus.
Zum anderen sind neben den Kraftstoffkosten seit 2025 auch andere relevante Kostenparameter signifikant gestiegen: Fahrzeugpreise, Versicherungsbeiträge, Kapitalbeschaffung, Personalkosten (Mindestlohn) und Wartungs- und Reparaturkosten.
Die angesprochene Tarifpflicht bedingt regulierte Einnahmen. Linz schreibt dazu: „Während die Unternehmenskosten stark steigen, Einsparpotentiale nicht mehr vorhanden oder bereits corona- und ukrainekriegsbedingt abgeschmolzen sind, sind Umsätze und Betriebseinnahmen weiterhin tariflich begrenzt. Selbst in den großen bayerischen Städten wurden die erforderlichen Tarifanpassungen nur sehr moderat vorgenommen. Eine vollstände Kostenkompensation erfolgt erfahrungsgemäß nicht.
Somit wird eine Branche geschwächt, die vor allem aufgrund der besonders heterogenen Mobilitätsstruktur im Bundesland Bayern ein wichtiger Baustein für die mobile Daseinsvorsorge ist. „Gerade in den bundesdeutschen Flächenländern wie Bayern ist das Taxi in der Regel der letzte verfügbare Mobilitätsanbieter außerhalb des öffentlichen Verkehrsangebotes“, führt Linz aus. Gerade im ländlichen Raum übernehme das örtliche Taxi-Gewerbe zunehmend Aufgaben, die sonst vom öffentlichen Verkehr erfüllt werden müssten: Zubringer zum ÖPNV, Schüler- und Krankenfahrten, Nachtverkehr sowie Ersatzverkehr bei Bahn- oder Busausfällen.
Linz warnt sowohl den bayerischen Verkehrsminister Christian Bernreiter als auch den Bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger in seinem Schreiben vor den Folgen, wenn der hier beschriebene Kostendruck zu einem erwartenden zahlenmäßigen Rückgang von Taxi- und Mietwagenunternehmen in Form von Geschäftsaufgaben und Insolvenz führt: „Die damit einhergehende Mangelversorgung im Bereich der Personenbeförderung hätte unmittelbare Folgen für den Mobilitätsbedarf ganzer bayerischer Regionen.“
Als Konsequenz sieht Linz politischen Handlungsbedarf in Form unverzüglicher staatlicher Maßnahmen. „Dabei geht es nicht um eine sektorale Subventionierung, sondern um die Sicherung der zentralen Mobilitätsinfrastruktur. Taxi ist Daseinsvorsorge.“ Konkret fordert der LVBTM eine Energiesteuer-Rückerstattung für Taxi-Unternehmen und die Einführung eines „temporären Mobilitäts-Stabilisierungsmechanismus“ Dieser solle immer dann greifen, wenn der Dieselpreis eine vorher definierte Schwelle überschreitet (z.B. zwei Euro pro Liter). Mögliche Steuerungsinstrumente wären Zuschüsse, Steuererleichterungen oder temporäre Förderprogramme. „Derartige automatisierte Preissteuerungsmechanismen sind sowohl geeignet als auch geboten – und sinnvoll bei geopolitischen Krisen wie aktuell im Nahen Osten“, mahnt Linz.
Der Geschäftsführer des LVBTM sieht zur mittelfristigen Stärkung auch die Notwendigkeit der Integration des Taxi- und Mietwagengewerbes in den öffentlichen Verkehr. „Die bayerischen Unternehmen der Personenbeförderung sind stärker in öffentliche Mobilitätskonzepte zu integrieren wie Rufbus-Systeme, On-Demand-Verkehr, ÖPNV-Ergänzungsverkehr (sogenanntes „ÖPNV-Taxi“) und Mobilitätsgarantien im ländlichen Raum.
All dies schaffe zusätzliche Einnahmequellen verbunden mit einer wenigstens partiellen Kostenkompensation und stabilisiert dadurch die Personenbeförderungsbranche.
Speziell für die Taxiunternehmen in Ballungsgebieten muss auf Regulierungsebene für faire Wettbewerbsbedingungen gesorgt werden: „Die Regulierung muss sicherstellen, dass irreguläre Angebote von Plattform- und Mietwagenanbieter nicht zu strukturellen Wettbewerbsverzerrungen führen. Mögliche Maßnahmen hierfür wären Mindestbeförderungsentgelte nach § 51 a PBefG, zielführende und flächendeckende Aufsicht der Genehmigungsbehörden sowie gleiche regulatorische Rahmenbedingungen („Level playing field“).
Last but not least ist langfristig die Abhängigkeit des Taxis vom Energieträger „Diesel“ abzukoppeln oder wenigstens zu reduzieren. Erforderlich sind aus Sicht des Landesverbandes Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen e.V. dafür Förderprogramme für E-Taxis, der Aufbau und Etablierung einer Ladeinfrastruktur sowie Investitionszuschüsse für Fahrzeugflotten.
Christian Linz schlägt damit den Bogen zum eigentlichen Anlass seines umfangreichen Schreibens an die beiden bayerischen Staatsminister Bernreiter und Aiwanger. Denn wenn ein großer Teil der Taxiflotte elektrisch fährt, sind zumindest die Folgen eines Nahost-Konflikts nicht mehr so einschneidend. jh
Beitragsfoto: KI-Generiert






Die als Pseudo-Taxis illegal durch UberBolt&Co auf die Straßen gebrachten Mietwagen sind derzeit DIE existenzbedrohende Macht für’s Taxi.
Der Umsatzverlust beträgt bis zu 2/3 je nach Ort und Zeit.
Innovation heißt:
)daß wir als Taxigewerbe konkret unterstützt werden, eine eigene europäisch basierte Plattform zu etablieren.
)effiziente datenschutzkonforme KI in den Behörden einzusetzen, um alltägliche Vorgänge wie Auswertung der Pflichtdaten auch zur Strafverfolgung der illegalen Fake-Taxis zu nutzen.
)Beweislastumkehr bei Verdacht von Geldwäsche einzuführen.
)Anträge auf Mietwagenkonzessionen nur bei glaubwürdig nachgewiesenem Geschäftsmodell annehmen.
)konsequente und vor allem schnelle Ablehnung von Anträgen auf Mietwagenkonzessionen ohne nachgewiesene legale Geschäftsgrundlage.
)konsequente Überprüfung der Mietwagen auf regelkonformes Verhalten.