100 Tage nach Beginn des Sechs-Euro-Taxiprojekts „Huus“ hat die Nachfrage sich noch nicht voll entfaltet. Hansa-Taxi und Freenow by Lyft sind auf den zu erwartenden Anstieg im Herbst vorbereitet.
Seit dem 14. April ist in bestimmten Außenbezirken Hamburgs das unter dem Namen „Na Huus, to de Bahn“ (Huus) laufende Angebot buchbar – sonntags bis donnerstags in der Regel von 21 bis 0:30 Uhr und freitags, samstags und vor Feiertagen von 21 bis 5 Uhr, buchbar über die Apps von Hansa-Taxi und Freenow by Lyft. Der deutschlandweit einzigartige Service, der auch in anderen Städten mit Interesse beobachtet wird, deckt insgesamt 20 U- und S-Bahnhöfe in den Gebieten Blankenese, Langenhorn und Bergedorf ab; das Pilotprojekt ist zunächst bis Mitte April 2027 angelegt.
Die Sechs-Euro-Fahrten zwischen Wohnadresse und Bahnstation werden bislang noch nicht voll ausgeschöpft. Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, werden aktuell pro Tag lediglich zwischen 10 und 20 Touren zum Huus-Tarif gebucht – weniger, als die Projektpartner erwartet hatten. Die Hamburger Verkehrsbehörde bezeichnet das Projekt dennoch als erfolgreich angelaufen. Man gehe davon aus, dass das Angebot in der dunkleren Jahreszeit noch stärker genutzt werde. Hansa-Taxi-Vorstand Jan Weber räumt ein, dass er vor dem Start eher einen Ansturm befürchtet habe – etwa 50 Buchungen binnen kurzer Zeit –, was sich so nicht bewahrheitet habe. Er führt die verhaltene Nachfrage auch auf die Sommerferien und die langen hellen Abende zurück und setzt darauf, dass die Buchungen mit kürzeren Tagen wieder anziehen.

Für den Herbst rechnet Weber mit deutlich mehr als tausend Touren im Monat. „Wir sind schließlich nach dem Motto gestartet: Wir fangen einfach mal an“, sagt Weber. Nach den Sommerferien wollen Hansa-Taxi und Freenow by Lyft die bislang gesammelten Daten auswerten und sehen, was verbessert werden könnte. Im Frühherbst soll zudem eine Werbekampagne mit Spots im Radio und im Fahrgast-TV starten. Weber denkt zudem schon seit den Anfängen über eine Ausweitung nach: Möglich wären etwa die Vier- und Marschlande im Bezirk Bergedorf, wo ebenso wie in den aktuellen Huus-Gebieten kein engmaschiges ÖPNV-Netz für die letzten Kilometer des Nachhausewegs existiert; auch müsse eine Fahrt nicht zwingend nur zwischen Wohnung und dem nächstgelegenen Bahnhof stattfinden, so Weber. Freenow-Deutschland-Chef Alexander Mönch verwies ergänzend auf App-Suchanfragen als Beleg für vorhandenes Interesse und sieht die größte Nachfrage im Hamburger Norden, wo der Bedarf an verlässlicher Bahnanbindung am größten sei.
Wirtschaftlich ist Huus für Hansa-Taxi und Freenow bislang ein Zuschussgeschäft: Fahrten, für die der Kunde sechs Euro zahlt, würden nach Tarif bis zu mehr als zwölf Euro kosten – die Differenz gleichen die beiden Projektpartner den Fahrern aus. Eine Ausweitung des Angebots über die aktuellen Gebiete rund um Blankenese, Rissen, Poppenbüttel und Bergedorf hinaus will die Verkehrsbehörde zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.
Taxi Times hatte im Januar 2026 berichtet, dass Hansa Funktaxi eG und Free Now by Lyft im Rahmen der Testphase zum Hamburger Festpreis-Korridor ein Angebot für On-Demand-Taxifahrten zum stark vergünstigten Pauschalpreis planen. Vorgesehen waren drei Bediengebiete am Stadtrand mit schwacher ÖPNV-Anbindung – Bergedorf im Südosten, das Gebiet um Langenhorn im Norden sowie der Altonaer Westen um Blankenese.

Besonderheit gegenüber anderen On-Demand-Diensten: Das Projekt wird eigenwirtschaftlich vom Taxigewerbe getragen, ohne städtische Förderung. Im April 2026 fiel dann der Startschuss, und die Hamburger Taxenunion unterstützte den Dienst „(fast) voll“: Vorstand Jan Grupe verwies auf die Wirtschaftlichkeit des Konzepts gegenüber anderen Systemen, die erst neue Betriebsstrukturen aufbauen müssten, und hob den hohen Anteil an Elektrotaxis im Einsatz hervor.
Damit zeigt Hamburg, wie sich auch die letzte Meile zwischen Wohnort und ÖPNV-Haltestelle mit dem klassischen Taxigewerbe abdecken lässt, ohne dass es dafür Fahrdienste wie Uber oder Bolt bräuchte. Während Hamburg erfolgreich auf eigenwirtschaftliche Taxi-Lösungen setzt, haben Uber und Bolt ihr eigenes Letzte-Meile-Angebot an anderen Orten längst etabliert bzw. ausgeweitet, beispielsweise in den Landkreisen rund um Berlin, also in einer Region, in der unseriöse Mietwagenunternehmer zum Großangriff auf die seriöse Personenbeförderung geblasen haben und von kommunalen Politikern zum Teil den roten Teppich ausgerollt bekamen. ar
Beitragsbild: Foto von Richard Mayer / Wikimedia Commons (CC BY 3.0); mit KI verändert; andere Fotos: Tom Menz (Hamburger Verkehrsbehörde)






