… ist das noch lange nicht gemeinnützig. Doch in ländlichen Regionen sind Taxis spätestens am Abend vielerorts Mangelware. Wenn ein Landkreis zu viele Mietwagen hat, die in der nahen Stadt wildern, kann man ihnen dann vorwerfen, wenn sie da fahren, wo sie es sollten? Und tun sie das überhaupt?
Uber hat sein Letzte-Meile-Angebot auf drei Städte im Landkreis Teltow-Fläming, dem Landkreis mit der höchsten Mietwagendichte weit und breit, ausgeweitet.
In Zossen ist nicht viel los, abends und nachts schon gar nicht. Wer im Dunkeln am Bahnhof des 22.000-Einwohner-Städtchens aus der Regionalbahn von Wittenberge nach Elsterwerda steigt, die wochentags um 0:17 Uhr letztmalig hält, steht meist einsam da. Nur wenige Male im Jahr, bei Feiern auf dem örtlichen Festplatz, steppt hier, 20 Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze, der Bär. Dann müssen aber diejenigen Besucher, die nicht fußläufig wohnen und auch nicht mit dem Fahrrad kommen können oder wollen, die leidige Entscheidung treffen, welches Gruppenmitglied nichts trinken darf, denn anders als mit dem Privatauto kommt man von dort nicht weg. Taxis sind seit Langem Mangelware hier im Landkreis Teltow-Fläming.
Auch Mietwagen sind hier von jeher schwer zu bekommen, denn die paar seriösen Anbieter haben ziemlich feste Ablaufpläne mit Krankenfahrten und kaum Spontankundschaft.
Nun hat der Landkreis aber in letzter Zeit dadurch für Aufsehen gesorgt, dass das unseriöse Segment des Mietwagengewerbes ihn als Eldorado für sich entdeckt hat, seit nicht nur die Berliner Genehmigungsbehörde, sondern auch solche in umliegenden Landkreisen wie etwa Barnim, ihre Arbeit optimiert und ihre Kontrollen verstärkt haben. Nur im Landkreis Teltow-Fläming ist für die – inzwischen über 2.000 – Mietwagen eine einzige Mitarbeiterin der unteren Straßenverkehrsbehörde zuständig, deren Arbeitsverhältnis vor nicht allzu langer Zeit von halbtags auf Vollzeit umgestellt wurde – immer noch hoffnungslos zu wenig und damit eine Einladung an Kriminelle, die in Berlin im Auftrag von Uber und Bolt illegalen taxigleichen Verkehr mit Mietwagen durchführen. Die Taxi-Times-Grafik, auf der die Taxi- und Mietwagendichte der brandenburgischen Genehmigungsgebiete dargestellt ist, auf der die TF-Säule alle um ein Vielfaches überragt, hat bereits in den sozialen Medien die Runde gemacht.
Diesen Zustand will Uber nun ändern. Natürlich nicht den Missstand, dass die Kriminellen fleißig in Berlin ihr Unwesen treiben, sondern das mangelnde Angebot vor Ort, in den drei größten Städten des Landkreises Teltow-Fläming: In Luckenwalde, Ludwigsfelde und Zossen gab es bis jetzt kaum nennenswerten taxigleichen Mietwagenverkehr. Nur die vierte im Bunde, die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow, direkt an der Stadtgrenze gelegen, hatte den Kriminellen bereits im Frühjahr den roten Teppich ausgerollt, als Uber seine große Letzte-Meile Aktion entlang der Berliner Stadtgrenze zelebrierte und Bürgermeister Michael Schwuchow (SPD) die Kriminellen begeistert willkommen hieß und seitdem nicht nur auf der gemeindeeigenen Internetseite, sondern auch auf der deutschen Uber-Seite für das Angebot wirbt, dessen Geschäftsmodell auf Steuerhinterziehung und Sozialbetrug beruht.
Nun hat Uber sein Letzte-Meile-Angebot südlich von Berlin erneut erweitert. „Fahrgästen, die am Freitag- und Samstagabend mit dem Regionalverkehr an den Bahnhöfen Ludwigsfelde, Luckenwalde und Zossen ankommen, soll so eine Anschlussmöglichkeit angeboten werden, wenn reguläre Busverbindungen und der VTF-Rufbus kaum noch verfügbar sind“, wird der Konzern in der „Märkischen Allgemeinen“ zitiert. Als typisches Märchen kann man die Aussagen in dem Fall aus den oben genannten Gründen nicht bezeichnen. Uber-Deutschland-Chef Christoph Weigler bekommt von dem regionalen Blatt gleich auch die Möglichkeit, sich als seriöser Wohltäter darzustellen: „Wir suchen stets nach Wegen, das Mobilitätsangebot für Bürgerinnen und Bürger zu verbessern und einen echten Mehrwert für die Region zu schaffen“, lässt er sich zitieren, und bezeichnet das Angebot als „Ergänzung zu Bus und Bahn in den späten Abendstunden, außerhalb der Hauptbetriebszeiten des regulären Nahverkehrs“.
Kann man jemandem einen Vorwurf dafür machen, dass es in Zossen und den anderen Kleinstädten zu wenig Taxis gibt? Bei einem Treffen eines Berliner Gewerbevertreters und Taxi Times mit der Zossener Stadtverwaltung im September letzten Jahres hatte Bürgermeisterin Wiebke Şahin-Connolly (parteilos) beklagt, wie schwer es sei, in Zossen ein Taxi zu bekommen. Für Dorffeste sei die Stadt zur Not sogar bereit, ein paar Taxis aus Berlin nicht nur das Bereithalten zu gestatten, sondern sie sogar zu bezuschussen, damit die Besucher unbesorgt feiern können. Doch die Entfernung zur Hauptstadt würde das Geschäft für Berliner Taxler wenig lukrativ machen.
Nun sind also seit vorletztem Freitag auch in Luckenwalde, Ludwigsfelde und Zossen die Uber-Mietwagen mit den Kennzeichen TF, LUK, ZS und JB einfach zu buchen. Aber wie viele der über 2.000 Mietwagen, die in dem Landkreis mit 178.000 Einwohnern konzessioniert sind, werden tatsächlich von ihrem angestammten Arbeitsgebiet, der Bundeshauptstadt, wo das Geschäft brummt, in 30 bis 50 Kilometer entfernte Mittelstädte mit 20.000 bis 30.000 Einwohnern fahren, um dort ein paar Fahrgäste über Land zu fahren? ar
Beitragsbild: Mietwagen aus dem Landkreis Teltow-Fläming, hier in der Berliner Innenstadt unterwegs – bald auch im Landkreis Teltow-Fläming? Foto: Axel Rühle







