Mit dem PV5 WAV bringt Kia jetzt seine eigene rollstuhlgerechte Variante des vollelektrischen PV5 Passenger auf den deutschen Markt. Anders als bei den Umbauten von AMF-Bruns, Schnierle und MobiTEC entsteht der WAV direkt im Rahmen der Kia-Umbaustrategie „Made-In-Plant“ (MIP). Bestellungen sind ab sofort möglich, die ersten Fahrzeuge sollen im November ausgeliefert werden.
Taxi Times hatte den PV5 bereits als einen „Hoffnungsträger der Rollstuhlbeförderung“ bezeichnet. Nun wächst die Auswahl noch einmal. Denn neben den Lösungen der deutschen Umrüster steht mit dem WAV (Wheelchair Accessible Vehicle) erstmals die von Kia selbst entwickelte und produzierte Variante zur Verfügung.

Das auffälligste Merkmal ist die Position der Rampe. Beim PV5 WAV erfolgt der Rollstuhlzugang über die rechte Schiebetür. Eine zweistufig ausziehbare Teleskoprampe ist in einem Zwischenboden untergebracht und lässt sich auf 1,25 oder 1,75 Meter Länge ausziehen. Vom Straßenniveau aus beträgt die Rampenneigung bei voller Länge 13 Grad. An einem 15 Zentimeter hohen Bordstein reicht laut Kia die erste Rampenstufe, wodurch sich die Neigung auf elf Grad reduziert.

Damit verfolgt Kia einen anderen Ansatz als beispielsweise AMF-Bruns und MobiTEC mit ihren Heckausschnitten. Über die verschiedenen Konzepte hatte Taxi Times bereits ausführlich im Beitrag „Auf der Suche nach Rollitaxis mit E-Antrieb“ berichtet. Schnierle setzt beim PV5 dagegen ebenfalls auf einen seitlichen Zugang und kombiniert diesen mit einem Schienensystem im Fahrzeugboden.
Beim Kia-Werksumbau befindet sich der Rollstuhlplatz dort, wo beim normalen PV5 Passenger die zweite Sitzreihe angeordnet ist. Die Rückbank wandert entsprechend nach hinten. Beim Rollstuhltransport wird der mittlere und rechte Teil ihrer Sitzfläche hochgeklappt. Links bleibt ein Sitzplatz für eine Begleitperson erhalten. Ohne Rollstuhl lässt sich der PV5 WAV als regulärer Fünfsitzer nutzen. Hinter der Rückbank stehen zudem 350 Liter Gepäckraum zur Verfügung.
Gerade für den Taxibetrieb ist die Position des Rollstuhlplatzes ungewöhnlich: Der Fahrgast sitzt nicht ganz hinten im Gepäckraumbereich, sondern weiter vorne im Fahrzeug. Kia nennt Privattransporte, Taxi- und Shuttle-Betriebe ausdrücklich als Einsatzgebiete.
Bestellbar ist der PV5 WAV mit 51,5-kWh- oder 71,2-kWh-Batterie. Die kleinere Variante leistet 89 kW (122 PS), verbraucht laut Hersteller kombiniert 20,2 kWh/100 km und erreicht bis zu 282 Kilometer. Mit dem großen Akku stehen 120 kW (163 PS), 20,4 kWh/100 km und maximal 391 Kilometer Reichweite im Datenblatt.
Beide Batterien sollen sich an einer geeigneten Schnellladestation in rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden lassen. Hinzu kommen V2L-Stromversorgung, 750 Kilogramm Anhängelast und ein für den Stadtbetrieb interessanter Wendekreisdurchmesser von nur elf Metern.
Die Preise beginnen bei rund 38.000 Euro netto Euro zuzüglich Überführungskosten für die Ausstattung Plus mit kleinem Akku. Mit 71,2 kWh werden mindestens rund 41.100 Euro netto fällig. Die Produktion des WAV ist im Juli in Korea angelaufen, die ersten Auslieferungen in Deutschland sind für November vorgesehen.
Damit entwickelt sich der PV5 zu einer ungewöhnlich vielseitigen Basis für die Rollstuhlbeförderung. AMF-Bruns kombiniert einen DIN-gerechten Heckausschnitt mit einer ausklappbaren Rampe und verschiedenen Sitzkonfigurationen. MobiTEC setzt ebenfalls auf den Zugang durchs Heck und wirbt mit einem 929 Millimeter breiten Bodenausschnitt sowie 890 Millimetern Auffahrbreite. Schnierle wiederum nutzt ein Schienensystem und eine seitliche Rampe.
Taxi Times konnte insbesondere die AMF-Bruns-Lösung bereits intensiv begutachten und im Praxiseinsatz kennenlernen. Inzwischen ist zudem der sechs- und siebensitzige PV5 Passenger verfügbar, dessen höhere Zuladung gerade im Zusammenhang mit Rollstuhlumbauten zusätzliche Möglichkeiten eröffnet.
Für Taxi- und Mietwagenunternehmer bedeutet das vor allem Auswahl: Heckeinstieg, Seiteneinstieg, flexible Schienensysteme oder nun die direkt von Kia produzierte WAV-Lösung. Welches Konzept das Beste ist, dürfte weniger eine Grundsatzfrage sein als eine Frage des jeweiligen Einsatzprofils. Der PV5 macht sich dank der neuen Werksvariante jedenfalls zur derzeit eine der interessantesten elektrischen Plattformen für die Rollstuhlbeförderung.
Beitragsfoto: KIA PV5 WAV mit seitlicher Rampe für den Rollstuhl.






