Das Münchner Taxi Zentrum (mtz) und der US-Technologieanbieter Tensor wollen gemeinsam selbstfahrende Taxis auf deutsche Straßen bringen. Die Besonderheit: Nicht der Technologiekonzern, sondern das Taxiunternehmen soll die vollelektrischen Fahrzeuge betreiben.
Das autonome Fahren könnte für das Taxigewerbe in München einen bedeutenden Schritt nach vorne machen. Das Münchner Taxi Zentrum (mtz) hat mit dem amerikanischen Unternehmen Tensor Auto eine Absichtserklärung unterzeichnet. Das gemeinsame Ziel lautet, autonome Fahrzeuge in den regulären Taxibetrieb zu integrieren. Tensor plant in einer ersten Phase bis zu 500 selbstfahrende Fahrzeuge in ganz Deutschland.
Anders als bei vielen Robotaxi-Konzepten soll dabei das etablierte Taxigewerbe die zentrale Rolle übernehmen. Tensor liefert die Fahrzeuge und die Technologie für das autonome Fahren. Der eigentliche Taxibetrieb bleibt dagegen in den Händen des mtz.
Für die Münchner Fahrgäste soll sich bei der Bestellung wenig ändern. Die autonomen Taxis werden in die bestehenden Vermittlungssysteme des mtz integriert. Auch die Kontrolle über Flotte, Marke und Kundendaten verbleibt beim Taxibetreiber. Wo und wann die fahrerlosen Fahrzeuge eingesetzt werden, soll das mtz in Abstimmung mit der Stadt München entscheiden. Tensor stellt die Technik über ein Abonnementmodell namens „Autonomous Driving as a Service“ bereit. Dazu gehören neben der Fahrsoftware auch Flottenmanagement, Wartungsleistungen und Schulungen.

mtz-Geschäftsführer Gregor Beiner sieht in der Kooperation eine Chance für die gesamte Taxigewerbe: „Die Taxibranche spielt eine führende Rolle dabei, nachhaltiges autonomes Fahren nach Europa zu bringen. Gemeinsam mit Tensor wird mtz autonome Fahrzeuge unter eigenem Namen auf Münchens Straßen bringen, mit der Servicequalität und der Datensouveränität, denen unsere Kundinnen und Kunden vertrauen. Gleichzeitig bleiben unsere professionellen Fahrerinnen und Fahrer unverzichtbar: Überall dort, wo persönlicher Service, Unterstützung oder menschliche Zuwendung gefragt sind, machen sie den Unterschied.“
Bis die ersten autonomen Taxis tatsächlich Fahrgäste befördern, sind allerdings noch Hürden zu überwinden. Die geplante Flotte steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt endgültiger Verträge und einer deutschen Zulassung für autonomes Fahren nach Level 4. Ein konkreter Starttermin für München wurde nicht genannt.

„Autonomes Fahren wird die urbane Mobilität neu definieren. Bei Tensor bauen wir die Technologie und das Partner-Ökosystem auf, um sichere, hochwertige Robocar-Dienste in großem Maßstab Wirklichkeit werden zu lassen. MTZ ist ein wichtiger Partner, um diese Vision nach Deutschland zu bringen und europaweit auszubauen“, sagte Jay Xiao, Gründer und CEO von Tensor.
Die Fahrzeuge von Tensor sollen ohne menschlichen Fahrer innerhalb festgelegter Betriebsbedingungen unterwegs sein können. Fahrgäste sollen zudem über eine KI-basierte Sprachsteuerung beispielsweise Zwischenstopps oder Routenänderungen veranlassen können. Das autonome Fahrzeug von Tensor ist darauf ausgelegt, Wartungsprüfungen automatisch durchzuführen, seine Sensoren selbst zu reinigen sowie automatisch einzuparken und seine Sensoren zu schützen.

Das autonome Fahrzeug von Tensor wird von agentischer KI gesteuert: Statt nur vorprogrammierten Regeln zu folgen, bewertet sie die Verkehrssituation und die Menschen um ihn herum und versteht, worum ein Fahrgast bittet. Fahrgäste können mit dem Fahrzeug sprechen, um die Route zu ändern, einen Zwischenstopp einzulegen oder eine Frage zu stellen. Zudem verfügt der Wagen weiterhin über ein Lenkrad. Dieses soll sich zusammenfalten können und die Pedale fahren bei Bedarf in den Fahrzeugboden.
Die beiden Partner denken bereits über Deutschlands Grenzen hinaus. Innerhalb von 24 Monaten nach der europäischen Markteinführung sollen weitere 10.000 autonome Fahrzeuge bei europäischen Betreibern platziert werden. Im Rahmen der Absichtserklärung wird außerdem geprüft, ob die autonomem Fahrzeuge von Tensor auch Privatkäufern in Deutschland zugänglich gemacht werden.

Bei der europaweiten Marktinführung könnte das Netzwerk Taxis 4 Smart Mobility (T4SM) eine wichtige Rolle spielen. Der Zusammenschluss vertritt Taxiorganisationen aus sechs europäischen Ländern und wird von Beiner geleitet, der zugleich Präsident des Bundesverband Taxi und Mietwagen (BVTM) ist.
Autonomes Fahren soll nicht zwangsläufig bedeuten, dass Technologieplattformen die klassischen Taxiunternehmen verdrängen. Das Münchner Modell setzt vielmehr darauf, dass etablierte Taxibetriebe auch im fahrerlosen Verkehr die unternehmerische Verantwortung behalten. sg
Beitragsfoto: Das autonome Fahrzeug von Tensor, genannt Robocar ist über 5,5 Meter lang. Foto: David Ruiz/Tensor







