Der Bundesverband Taxi und Mietwagen (BVTM) lanciert einen Ableger für Niedersachsen, den Taxibund Niedersachsen. BVTM-Geschäftsführer Michael Oppermann stellte gemeinsam mit Gundula Hauenstein die neue Initiative im Rahmen einer kleinen Roadshow im Nordwesten der Republik vor.
Aktualisierung am 3.9.26: Aufgrund des Wiedereintritts des GVN in den BVTM (siehe hier) wird der BVTM den Taxibund Niedersachsen nicht mehr forcieren.
Donnerstag, der 20. August, 11:00 Uhr, im Co-Workings-Space CORE in Oldenburg stellt sich der Taxibund Niedersachsen als Initiative des BVTM vor. Eingeladen waren in Oldenburg die Taxi- und Mietwagenunternehmen aus der Weser-Ems-Region, weitere Veranstaltungen fanden und finden eng aufeinander getaktet in den verschiedenen Regionen Niedersachsens statt. Sowohl der Ort als auch das Projekt klingen für Taxler-Ohren nicht unbedingt vertraut. In Oldenburg kamen so neben der Rotenburger Unternehmerin Gundula Hauenstein zehn Gewerbevertreter aus der Region zusammen, neun Unternehmer und ein Betriebsrat! Ein Betriebsrat in einem Taxiunternehmen ist sicherlich ebenfalls ein Exot in diesem Gewerbe und so versprach diese Konstellation – ein Taxibund, Gundula Hauenstein beim BVTM, ein Betriebsrat, ein Co-Workingspace – definitiv spannend zu werden, unabhängig davon, dass mit BVTM-Geschäftsführer Michael Oppermann der Gastgeber der Veranstaltung im Gewerbe ja kein Unbekannter ist.
Es ist sicherlich kein Geheimnis, dass die BVTM-Initiative zur Etablierung seines Taxibunds Niedersachsen wohl damit korreliert, dass der BVTM vor allem im Nordwesten und auch im Südosten der Bundesrepublik aktuell als Verband nicht so präsent ist, wie es ihm lieb wäre. Auch im Rahmen dieser Veranstaltung wiesen einige Teilnehmer darauf hin, dass das Gewerbe selbst eher unglücklich mit der Existenz von inzwischen sage und schreibe fünf Verbänden ist, welche eine bundesweite Stimme für das Gewerbe für sich in Anspruch nehmen. Auch Oppermann verwies darauf, dass die Bundespolitik das Gewerbe so kaum ernst nehmen könne, er selbst zumindest aktuell aber wenig Hoffnung auf Besserung habe. Die Idee eines Taxibundes Niedersachsen könne aber vielleicht ja trotzdem die Interessen des Gewerbes bündeln.
Gundula Hauenstein als ehemalige Vorsitzende der Fachvereinigung Taxi im niedersächsischen Gesamtverband Verkehrsgewerbe (GVN) war bis vor kurzem eher mit dem konkurrierenden Taxi und Mietwagenverband (TMV) assoziiert, dessen Vizevorsitz sie bis vor kurzem sogar bekleidete. Alles Schnee von gestern, diese Personalie sollte bei der Roadshow des Taxibund Niedersachsen nicht das beherrschende Thema sein, vielmehr sammelte Oppermann die aktuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden und machte sie zum Inhalt.
Schon in einer Vorstellungsrunde wurde klar, wie unterschiedlich die unternehmerischen Interessen im Gewerbe sind. Ländliche Unternehmen wachsen aktuell eher und betreiben oft durchschnittlich 10, 15 oder mehr Taxen, teilweise auch an verschiedenen Standorten, während die durchschnittliche Betriebsgröße im städtischen Umfeld und vor allem in den Metropolen sinkt. Vielfach sind hier inzwischen die Einwagenunternehmen (EWUs) weit in der Überzahl, Mehrwagenunternehmen (MWUs) geben hier vielfach vor allem aufgrund der hohen Personalkosten auf. Auch die großen Zentralen haben in den Städten zu kämpfen. Mittlere Städte vertreten dabei dagegen noch ein eigenes Segment, da es dort oftmals noch den einen Platzhirsch unter den MWUs gibt, oft mit eigener Zentrale, der mit einer größeren Anzahl von Fahrzeugen Kunden bedient, deren Bedürfnissen die EWUs nicht immer zuverlässig bedienen können.
Außerhalb der Metropolen konzentriert sich das Gewerbe dabei stark auf Kranken-, Rollstuhl- und Schülerfahrten, da es dort kaum noch den klassischen Taxi-Spontan-Verkehr, geschweige denn ein nennenswertes Nachtschichtvolumen gibt. Entsprechend können Uber & Co. hier nicht die gleichen Lücken in die gewerbliche Auskömmlichkeit wie in den Metropolen reißen, allerdings kannibalisieren sich hier dafür überregionale Anbieter die örtlichen Unternehmen immer dann, wenn ausschreibungspflichtige Schülerfahrten angeboten werden. Der freigestellte Verkehr sei sozusagen das Uber des ländlichen Raums postulierte ein Teilnehmer dazu.
Hinter einem Thema, angesprochen von dem Betriebsrat Gerald Lamping, konnten sich die Teilnehmer dann doch wieder vereinen. Gerald Lamping stellte sich selbst als Exot in seiner Funktion als Vorsitzenden des vielleicht einzigen Betriebsrates eines Taxiunternehmens in Deutschland vor. Er sprach dann die oftmals schwierige Halte- und Parksituation vor Krankenhäusern oder Flughäfen an. Tatsächlich fühlten sich hier alle Anwesenden betroffen. Diese Problematik betreffe gemäß Lamping ja vielfach eher die Fahrenden und er bemängelte, dass die Unternehmen daher keine ausreichende Priorität auf dieses Dilemma setzen, denn das Ticketrisiko trügen ja die Fahrenden. Seinen Wunsch, dass hier ein bundesweit aktiver Verband Lösungen schaffen könne, erschien in der Diskussionsrunde dann anhand der jeweiligen örtlichen Vielfalt dieser Problematik allerdings doch eher illusorisch.
Nachdem die Teilnehmenden ihre aktuellen Sorgen und Nöte vorgetragen hatten, stellte Oppermann seine Idee eines Taxibundes Niedersachsen vor. Der BVTM könne nicht nur niedersächsischen, sondern auch bundesweit allen Mitgliedsunternehmen zunächst einmal die gewerblichen Wissensressourcen verfügbar machen, über die man als bundesweit größter Verband in großer Zahl verfüge. Anhand der trotzdem begrenzten personellen Ressourcen seines Verbandes beschrieb er dazu eine Art Kavalleriefunktion, bei der der Verband Mitglieder bei Problemen vor Ort zu den dazu jeweils verfügbaren „Bibliotheksinhalten“ des Verbandes führe, welche diese dann wiederum in Eigeninitiative nutzen könnten. Er verstehe die Möglichkeiten eines Taxibundes so als eine Art Dienstleister für Unternehmen, aber – in Richtung des Betriebsrates – vielleicht auch für Fahrende.
Geplant sei dafür entsprechend auch ein sehr schlanker Mitgliedsbeitrag von 8 Euro pro Unternehmen zuzüglich 4 Euro pro Fahrzeug, maximal jedoch 100 Euro. Bei Doppelmitgliedschaften im GVN und im Taxibund solle dazu noch zeitweilig ein Rabatt von 20 Prozent gewährt werden, weitere 20 Prozent Nachlass wäre bei der Anwerbung weiterer Taxibundmitglieder möglich.
Die Grundidee eines schlanken und kostengünstigen Dienstleistungsangebotes für die Taxibranche erscheint auch außerhalb der vorgegebenen Kernaktivitäten eines Bundesverbandes zunächst einmal sehr sinnvoll. Ob diese grundsätzlich begrüßenswerte Initiative aber gerade im Minenfeld verbandsinterner Streitigkeiten an den Start gebracht werden sollte, bleibt dabei natürlich fraglich. Trotzdem wird die Beobachtung spannend sein, ob diese Idee bei den niedersächsischen Unternehmen verfängt – zunächst vielleicht auch in der angebotenen zweigleisigen Variante. rw
Beitragsfoto: Gundula Hauenstein und Michael Oppermann beim Treffen des Taxibund Niedersachsen in Oldenburg. Foto: Remmer Witte








