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Cooijmans: Taxi ist das vernachlässigte Kind des ÖPNV

von Wim Faber
29. Mai 2026
Lesedauer ca. 4 Minuten.
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Cooijmans: Uber & Co. gefährden gesamten ÖPNV – BVTM-Referent redet Tacheles
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Obwohl die Taximärkte in Europa unterschiedlich strukturiert sind, stehen sie laut Floris Cooijmans, Mobilitätsreferent beim BVTM, vor den gleichen Problemen. „Wir müssen international enger zusammenarbeiten!“ Ein Portrait von Wim Faber, Teil 2

„Ich hatte letztes Jahr für den Nahverkehrstag eine Präsentation vorbereitet, in der wir darauf hinwiesen, dass Uber und Bolt – das sogar noch billiger ist – ebenfalls eine Gefahr für den öffentlichen Nahverkehr darstellen“, so der Koordinator für Mobilitätspolitik beim Bundesverband Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM), Floris Cooijmans. „Man muss sich nur mal vor Augen führen: Sobald man eine Mitfahrgelegenheit auf einer Plattform mit jemandem teilt, ist es schon günstiger als ein Einzelticket für den öffentlichen Nahverkehr. Deshalb müssen wir die Verkehrsbetriebe davon überzeugen, dass Plattformen mit ihrer aktuellen Preispolitik – also ohne Mindestpreis – eine echte Gefahr für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs darstellen. Die Fahrgäste sehen nur, dass sie direkt vor ihrer Haustür abgeholt und irgendwo anders abgesetzt werden – und das zu Preisen, die niedriger sind als bei Bus, Straßenbahn oder U-Bahn. Deshalb ist der Kampf gegen die aktuellen Plattformpreise ein gemeinsamer – für den öffentlichen Nahverkehr und das Taxigewerbe.“

Floris Cooijmans: „Das Taxi war eine ganz neue Welt.“

Cooijmans merkt an, dass der öffentliche Nahverkehr und das Taxigewerbe auch in anderen Bereichen gemeinsame Interessen haben. „Man denke nur an die ländlichen Gebiete, wo Taxifahrer ums Überleben kämpfen. Wir sprechen oft vom ‚Taxisterben auf dem Land‘. Für Taxifahrer in dünn besiedelten Gebieten ist es strukturell schwierig zu überleben, wenn sie keine anderen Einnahmequellen haben, wie beispielsweise den Patiententransport.“ Die Verhandlungen mit den Krankenkassen gestalten sich jedoch traditionell schwierig und mühsam. „Es ist ein sensibles Thema, da viele Taxifahrer ihren Lebensunterhalt mit dem Patiententransport bestreiten“, sagt Cooijmans. „Darüber hinaus versuchen wir als Taxigewerbe, unsere Rolle im nationalen öffentlichen Nahverkehr durch die ÖPNV-Taxis zu stärken. Dies ermöglicht es den lokalen Taxifahrern, zusätzliche Einnahmen zu generieren, und die Bewohner dieser ländlichen Gebiete haben eine gesicherte Transportversorgung.“ Da zwei verschiedene Ministerien für den Patiententransport und den öffentlichen Nahverkehr zuständig sind, geht es nur langsam voran.

„Wir sind das vernachlässigte Kind des öffentlichen Nahverkehrs, wenn man uns überhaupt beachtet“, schmunzelt Cooijmans. „Oftmals werden nur U-Bahn, Straßenbahn und Bus betrachtet. Eine kürzlich durchgeführte Übersicht über Verkehrsmaßnahmen in Berlin-Mitte konzentrierte sich hauptsächlich auf diese Verkehrsmittel. Taxis wurden in den Plänen gar nicht berücksichtigt.“ Cooijmans findet es überraschend, dass der öffentliche Nahverkehr erst kürzlich über „On-Demand“-Verkehr gesprochen hat. „Taxis bieten das schon seit Jahren an. Und wir versuchen, uns an der Einführung und Regulierung neuer Formen des öffentlichen Nahverkehrs zu beteiligen, wie zum Beispiel Robotaxis, die besser zu unseren Aufgaben passen als zu denen des öffentlichen Nahverkehrs. Selbstfahrende Busse sind eher etwas für die Verkehrsbetriebe.“

Dann unterscheiden sich die deutschen Themen sicherlich nicht wesentlich von denen der internationalen Taxi-Szene? „Ich verbringe etwa ein Drittel meiner Zeit mit internationalen Angelegenheiten. Und dabei – ob in der IRU Taxi Group oder bei Taxis4SmartMobility (T4SM) – fällt mir immer wieder auf, dass trotz völlig unterschiedlicher Märkte und Regulierungen alle vor denselben Problemen stehen. Diese scheinen auch nicht durch Gesetzesänderungen lösbar zu sein. Obwohl ich den Taximarkt in den Niederlanden nicht sehr gut kenne, fällt mir auf, dass der Taxisektor dort ganz anders strukturiert ist und der Anteil an sozialer Vertragsbeförderung deutlich größer ist als in anderen Ländern. Während die meisten Vertreter beispielsweise keine Stellungnahme zu den EU-Plänen für Ausschreibungen abgaben, war dies kürzlich ein zentraler Punkt für die niederländischen Vertreter.“

Floris Cooijmans: „Mir fällt immer wieder auf, dass, obwohl die Märkte und Regulierungen im Ausland völlig unterschiedlich sind, alle die gleichen Probleme haben.“

Was Cooijmans ebenfalls überrascht, ist die mangelnde Organisation vieler Länder. „Die Vertretung Frankreichs kommt tatsächlich nur aus Paris. Viele der Schlüsselfiguren in internationalen Konsultationen besitzen selbst große Taxiunternehmen. Struktur und Arbeitsweise unseres Bundesverbandes sind ganz anders. Wir müssen unsere internationalen Aktivitäten und Lobbyarbeit ständig gegenüber unseren Mitgliedern verteidigen.“ Cooijmans wünscht sich eine stärkere Vertretung von Ländern – insbesondere aus Osteuropa – auf internationaler Ebene. „Je mehr Mitglieder man hat, desto legitimer ist man als Organisation. Das Interesse ist durchaus vorhanden, doch die Teilnahme an internationalen Aktivitäten ist auch kostspielig. Derzeit kooperieren wir innerhalb beider Organisationen zwischen mehreren Ländern wie beispielsweise Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Dänemark, Österreich, der Schweiz und Deutschland.“

Ein Thema, das Taxiunternehmen in allen Ländern verbindet, ist die Elektrifizierung. Diese hat durch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen zusätzlichen Auftrieb erhalten. „Gemeinsam mit anderen Verkehrsorganisationen haben wir die Regierung um Unterstützung gebeten. Wir können die durch die höheren Kraftstoffpreise verursachten Preiserhöhungen nicht einfach weitergeben. Und was die Elektrifizierung betrifft: Das ist ein wichtiges Thema, das uns seit Jahren beschäftigt. Einige Betreiber haben bereits auf neue Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur umgestellt. In Hamburg werden beispielsweise nur noch Elektrotaxis zugelassen. Die Ladeinfrastruktur ist dank der Stadt Hamburg vorhanden. Andere Betreiber tun sich mit diesem Übergang jedoch sehr schwer. Wir wissen, wo wir hinmüssen, aber es ist ein steiniger Weg.“ wf

BVTM-Referent Floris Cooijmans und Taxi-Times-Redakteur Wim Faber, die beide aus den Niederlanden stammen und die Verkehrssysteme und das Taxigewerbe mehrerer europäischer Staaten gut kennen, sprachen Anfang Mai in Berlin miteinander. Wim Faber übersetzte das Gespräch für Taxi Times ins Deutsche.

Teil 1 erschien gestern. Der Titel lautet „Cooijmans: Uber & Co. gefährden gesamten ÖPNV – BVTM-Referent redet Tacheles“

Fotos: Wim Faber

Tags: Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. (BVTM)Floris CooijmansÖPNV-TaxiUber & Co.
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Wim Faber

Der „Brüsseler Niederländer“ und gelernte Kommunikationsspezialist berichtet seit den 80-er Jahren für eine Reihe von Taxi- und ÖPNV-Fachzeitschriften in Europa, Nordamerika und Australasien über das Taxi und die Mobilität im weitesten Sinne.

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