Der Branchenverband Koninklijk Nederlands Vervoer (KNV) schlägt Alarm: Die Kranken- und Sozialbeförderung droht in den Niederlanden zum Erliegen zu kommen. Auslöser sind Autobahnsperrungen und hohe Spritpreise.
Die niederländische Güter- und Personentransportbranche leidet unter extremen Kosten und baustellenbedingten Umwegen, deren Mehrkosten nicht eingepreist sind. Zusätzlich zu den historisch hohen Spritpreisen – die empfohlenen Preise für Benzin und Diesel liegen bei Deutschlands Nachbarn bei fast 2,70 Euro pro Liter – muss sich die Branche mit einer Häufung plötzlicher Autobahn- und Brückensperrungen auseinandersetzen. Nach den Sperrungen der zentral gelegenen Merwedebrücke im Nord-Südverkehr auf der A27 und des Markerwaarddeich sowie weiterer Straßen wurde nun auch die Hardenbergerbrücke bei Nijkerk (A28) zwischenzeitlich aufgrund von Sicherheitsrisiken mit sofortiger Wirkung gesperrt.
Das niederländische Taxigewerbe erfüllt eine wesentliche Rolle in der Kranken- und Sozialbeförderung: Mehr als 75 Prozent des jährlichen Umsatzes stammen aus diesen Aufträgen, die nach Ausschreibungen oft gleich für mehrere Jahre vergeben werden.

Die Kombination aus Umleitungen und hohen Spritpreisen setzt die Kranken-, Sozial- und Personenbeförderung in den Niederlanden massiv unter Druck, mahnt Fred Teeven, Vorsitzender des Branchenverbands Koninklijk Nederlands Vervoer (KNV), in einem Radio-Interview. Besonders hoch ist der Druck in der Krankenbeförderung: Fahrer arbeiten unter Zeitdruck für schutzbedürftige Fahrgäste, so dass Verspätungen sofort zu großen Problemen führen.
Die Brücken- und Straßensperrungen verursachen erhebliche Verzögerungen und ziehen zusätzliche Fahrkilometer nach sich. Viele Taxiunternehmen arbeiten mit langfristigen Verträgen für Krankenhaus- und Schülertransporte, in denen feste Ankunftszeiten vereinbart sind. „Das Problem ist natürlich, dass wir dadurch zu langen Umwegen gezwungen sind. Die Fahrzeiten werden immer länger, und viele Verträge mit Kunden verpflichten die Fahrgäste, pünktlich am Zielort zu sein“, erklärt Teeven. „Das bedeutet deutlich längere Fahrzeiten für Fahrgäste und Fahrer. Es erfordert zusätzlichen Fahrereinsatz, höhere Lohnkosten und ist mit erheblichen Unannehmlichkeiten für Unternehmen und Fahrgäste verbunden.“
Wenn die Termine wegen des Verkehrschaos nicht eingehalten werden können, drohen den Unternehmen rechtliche und finanzielle Konsequenzen. Teeven weist darauf hin, dass es Verträge im Gesundheitswesen gibt, in denen die Beförderungsunternehmen – meist Taxibetriebe – an vereinbarte Zeiten gebunden sind. „Das ist aufgrund der Baustellen nicht machbar“, sagt Teeven. „Es ist ohnehin schon sehr schwierig und stressig, und dann können ihnen auch noch Vertragsstrafen vom Kunden auferlegt werden.“
Steigende Lohn- und Treibstoffkosten setzen den Taxiunternehmen zu. Laut KNV gehen die ersten Unternehmen der Branche nun in Konkurs. Vor dem Sommer hatte der KNV bereits Petitionen an das Parlament gerichtet und Gespräche mit mehreren Ministern geführt, stieß aber bisher auf massiven finanziellen Widerstand. Die Regierung und die lokalen Behörden geben an, keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung zu haben. Die Beförderungsunternhemen sind so in einem Teufelskreislauf gefangen. Die Politik verweist auf Geldmangel, während die Kunden an ihren bestehenden Verträgen festhalten.
Der KNV-Vorsitzende warnt deshalb vor den gesellschaftlichen Folgen, sollte die Regierung nicht eingreifen. Jede Woche sind rund eine Million Menschen auf Taxis, (Klein)Busse und Krankentransporte angewiesen, um zur Schule, zur Arbeit, in die Kita oder ins Krankenhaus zu gelangen. „Für einige Unternehmer ist es fast günstiger, alles stillzulegen, als den Betrieb aufrechtzuerhalten. Aber das können sie nicht, da sie Verträge haben.“
Teeven appelliert daher an Politiker und Kunden, kurzfristig eine Übergangslösung zu finden. „Es muss dringend etwas geschehen. Wir haben auch gesagt: ‚Finden Sie einen Kompromiss bei den Treibstoffpreisen.‘ Das funktioniert nicht; stattdessen sollten Sie uns gelegentlich entgegenkommen, damit wir uns wenigstens noch eine Weile über Wasser halten können. So kann es nicht weitergehen“, so Teeven abschließend. wf
Beitragsfoto: Symbolbild: Fahrzeug im Stau. Quelle ChatGPT






