Vorhandene Taxis einsetzen, statt einen konkurrierenden Fahrdienst aufzubauen: Mit diesem Ansatz hat der Landkreis Lüneburg sein Angebot „hvv hop“ gestartet. In einem Vortrag erläuterte die Leiterin Mobilität beim Landkreis Lüneburg, wie das System funktioniert und welche Erfahrungen der Landkreis bislang damit gesammelt hat.
Nicht nur Freudenstadt in Baden-Württemberg hat erfolgreich ein ÖPNV-Taxi eingeführt, auch der Landkreis Lüneburg in Niedersachsen kann neun Monate nach seiner Einführung von einer positiven Entwicklung berichten. Dies wurde den Besuchern des Niedersächsischen Taxi- und Mietwagentags bewusst, als sie dem Vortrag von Mareike Harlfinger-Düpow lauschten, der Leiterin Mobilität beim Landkreis Lüneburg. Sie berichtete im Fachvortrag „ÖPNV-Taxi – Umsetzung und Erfahrungen“ über die praktische Umsetzung und die Erfahrungen mit diesem Mobilitätsangebot.
Seit dem 2. Januar 2026 ergänzen örtliche Taxiunternehmen unter dem Namen „hvv hop“ den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Lüneburg. Das ÖPNV-Taxi schließt Verbindungslücken und ersetzt dabei das bisherige Anruf-Sammel-Mobil sowie im linkselbischen Kreisgebiet den Rufbus. Anders als das frühere Abendangebot ermöglicht es auch tagsüber Fahrten zwischen den Gemeinden, ohne dass diese zwingend über die Hansestadt Lüneburg führen müssen.

Für den Landkreis war die Einbindung des Taxigewerbes eine bewusste Entscheidung. Ein eigenständiger, öffentlich bezuschusster Fahrdienst könne den bestehenden Unternehmen Fahrgäste entziehen, erläuterte Frau Harlfinger-Düpow. Stattdessen wolle man „die Taxiunternehmen vor Ort mit einbinden, also bestehende Kapazitäten nutzen und mit dem On-Demand-System keine Konkurrenz schaffen“. Alle Taxiunternehmen mit Sitz im Landkreis können sich an dem Angebot beteiligen.
Auch zum Linienbus soll das ÖPNV-Taxi keine Konkurrenz bilden. Vor jeder Buchung prüft die Software im so genannten Widerstandsmodell, ob eine zumutbare öffentliche Verkehrsverbindung besteht. Dabei berücksichtigt sie unter anderem die Entfernung zur Haltestelle, die Reisezeit und notwendige Umstiege. Erst wenn keine Verbindung die festgelegten Kriterien erfüllt, wird die Taxibuchung ermöglicht. Passende Buchungen werden gebündelt, sodass mehrere Fahrgäste gemeinsam befördert werden können.
Für die Nutzung benötigen Fahrgäste einen gültigen ÖPNV-Fahrschein, beispielsweise das Deutschlandticket. Tagsüber kommen zwei Euro Komfortzuschlag pro Person und Einzelfahrt hinzu. Ab 21 Uhr ist aus Sicherheitsgründen die Haustürbedienung im Service enthalten. Der Zuschlag beträgt dann vier Euro. Unter der Woche beginnt das Angebot um 5 Uhr, der letzte Einstieg ist um 1.15 Uhr möglich. Freitag- und Samstagnacht verlängert sich diese Zeit bis 3.15 Uhr, sonntags beginnt der Betrieb um 8 Uhr. Im rechtselbischen Amt Neuhaus bleibt tagsüber zunächst der dortige Rufbus bestehen.
Die Differenz zwischen den Fahrgasteinnahmen und der vereinbarten Vergütung gleicht der Landkreis aus. Nach Darstellung von Frau Harlfinger-Düpow führt eine Degressionsregelung dazu, dass die Vergütung minimal 90 Prozent des Taxitarifs erreicht, in der Regel jedoch mehr. Auch die langen Anfahrten im ländlichen Kreisgebiet werden ausgeglichen.
Bis Ende August verzeichnete das System mehr als 9.000 Registrierungen. Rund 2.500 Menschen hatten mindestens eine Fahrt gebucht, 477 bereits mehr als zehn Fahrten. Insgesamt wurden 25.128 Buchungen in 18.798 Fahrten umgesetzt und knapp 30.000 Personen befördert. Besonders häufig werde das Angebot tagsüber genutzt, etwa für Arbeitswege und Freizeitaktivitäten.
Der Start verlief allerdings nicht reibungslos. Zunächst mussten Fahrzeitberechnungen angepasst werden, weil Fahrgäste teilweise lange auf ihre Taxis warteten. Hinzu kamen missbräuchliche Buchungen über mehrere Nutzerkonten. Eine vorübergehende Abschaltung der Barzahlung ließ die Nachfrage deutlich einbrechen. Dauerhaft beschäftigen den Landkreis zudem die Leerfahrten: Deren Kilometerumfang liegt laut Harlfinger-Düpow auf einem ähnlichen Niveau wie die besetzten Kilometer.
Für den weiteren Ausbau seien zusätzliche Taxikapazitäten wichtig. Der Landkreis wolle gemeinsam mit den Unternehmen auf eine offenere Konzessionsvergabe hinwirken. Ziel sei, die steigende Nachfrage weiterhin mit Taxis abzudecken und damit „diese Branche eben auch weiter stärken“ zu können.
Die Kostenbilanz für den Landkreis fällt sehr positiv aus. Der frühere linkselbische Rufbus kostete nach den im Vortrag genannten Zahlen rund vier Millionen Euro, das Anruf-Sammel-Mobil weitere 112.000 Euro. Für „hvv hop“ erwartet Frau Harlfinger-Düpow jährliche Kosten von rund zwei Millionen Euro. Für 2026 rechnet sie mit 65.000 bis 67.000 beförderten Fahrgästen. Auf Nachfrage aus dem Publikum schätze Frau Harlfinger-Düpow vorsichtig, dass der Fahrgastkilometer mit dem ÖPNV-Taxi alles in allem ca. drei Euro kostet, beim externen ODM-Modell seien dies dagegen ca. zehn Euro und für den ÖPNV-Linienverkehr lege man dafür ca. fünf Euro zugrunde.
„Das in den Vergleich gesetzt zeigt, wie effektiv es ist, Taxiunternehmen in den ÖPNV mit einzubinden, die Branche zu stärken und trotzdem ein On-Demand-System zu haben“ lautete die zufriedene Bilanz von Frau Harlfinger-Düpow. „Sie merken, ich bin sehr begeistert vom System.“ Mit diesem Schlusssatz bestätigte die Leiterin Mobilität das, was man ihr schon während des gesamten Vortrags angemerkt hatte. Den Stolz, den Taxi- und Mietwagenunternehmen eine Erfolgsgeschichte erzählen zu können, bei der es nur Gewinner gibt. Eine Ansicht, die auch Stefan Rüter von der Lüneburger Taxizentrale teilte. jh
Beitragsfoto: Moin + Taxi Times, Montage: KI






