Die politische Diskussion um den nächtlichen On-Demand-Verkehr lümo ist vorerst beendet. Im kommenden Jahr wird lümo mit 800.000 Euro unterstützt. Auf eine Beteiligung der Lübecker-Taxibranche, die den gleichen Service günstiger anbieten könnte, wird dabei unverständlicherweise verzichtet.
Die Lübecker Bürgerschaft hat den Weiterbetrieb des von den Stadtwerken angebotenen Fahrdienstes, anders als zuvor geplant, doch bis Ende 2027 finanziell abgesichert. Bereits zu Beginn der Gespräche hatte sich das Lübecker Taxigewerbe mit einem deutlich günstigeren Angebot ins Gespräch gebracht. Die Chancen standen gut, dass in der zweiten Jahreshälfte 2027 das Taxigewerbe mit einem ÖPNV-Taxi den Service unterstützt.
Konkret hatten sich die Lübecker Funktaxen (LFT) bereits im Juni dieses Jahres gegen eine Fortführung von lümo ohne Beteiligung des Taxigewerbes ausgesprochen. Nach ihrer Einschätzung bedient lümo in seiner heutigen Form zu einem großen Teil klassische Taxinachfrage. Gleichzeitig beobachtete die Funkzentrale einen Rückgang der nächtlichen Bestellungen und eine zunehmende Zurückhaltung der angeschlossenen Unternehmer, nachts Fahrzeuge bereitzuhalten.

Die Lübecker Funktaxen legten CDU, SPD und FDP nach eigenen Angaben ein konkretes Angebot vor, einen Poolingdienst selbst zu organisieren. LFT-Geschäftsführer André Marx betonte, man würde einen gemeinsamen Weg mit den Stadtwerken bevorzugen, sehe sich aber auch in der Lage, ein entsprechendes Angebot eigenständig umzusetzen.
In der Folge bekam jedoch nicht das Taxi, sondern lümo den Zuschlag. Im Juni hatte die Bürgerschaft mit knapper Mehrheit von 21 zu 19 Stimmen zunächst eine Fortsetzung für das erste Halbjahr 2027 beschlossen und dafür rund 400.000 Euro vorgesehen.
Im Nachgang hatte der Vorschlag der Taxler dann aber doch Eingang in die politischen Entscheidungen gefunden. Am 27. August beschloss die Bürgerschaft mit 42 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen und ohne Gegenstimme, dass eine ersatzlose Einstellung des Lübecker Nachtverkehrs nicht in Betracht kommt. Für ein künftiges stadtweites Nachtverkehrskonzept müssen drei Varianten untersucht werden. Eine davon sei ausdrücklich ein taxibasierter Linienbedarfsverkehr, das sogenannte ÖPNV-Taxi. Daneben sollen ein Bedarfslinienverkehr mit Kleinbussen sowie ein sogenanntes Blütenmodell untersucht werden. Bei Letzterem würde ein klassischer Nachtbus die gebündelten Verbindungen auf bestimmten Hauptachsen beziehungsweise zwischen zentralen Punkten übernehmen. Von dort aus können flexiblere Angebote die weitere Verteilung in die Stadtteile übernehmen. Dafür kämen beispielsweise wiederrum Taxis bzw. ÖPNV-Taxis infrage.
Mit den Haushaltsentscheidungen im September wurde diese Übergangsfrist allerdings überraschend weiter verlängert: lümo soll nun bis Ende 2027 weiterfahren. Für das zweite Halbjahr werden weitere 400.000 Euro aus dem im Haushalt vorgesehenen Zuschuss der Hansestadt an SWL Mobil finanziert. Damit ist der aktuelle Stand klar: lümo bleibt 2027 wie bislang bestehen.
Parallel muss ein Nachfolgekonzept für den Nachtverkehr entwickelt werden. Das Taxi ist darin nicht mehr nur Forderung des örtlichen Gewerbes, sondern aufgrund des einstimmig ohne Gegenstimmen gefassten Bürgerschaftsbeschlusses ausdrücklich eine der zu untersuchenden Alternativen. Eine Entscheidung über das dauerhafte Modell für die folgenden Jahre ist damit aber noch nicht gefallen.
André Marx, der auch für die SPD bürgerliches Mitglied im Ausschuss Umwelt, Sicherheit und Ordnung ist, hat die Haushaltsdebatte live verfolgt und ist mit der Verlängerung im zweiten Halbjahr unzufrieden: “Offensichtlich wurde die weitere Verlängerung auf Grundlage der Forderung der Grünen nach einem sicheren Beförderungsmittel für Frauen in die Haushaltsdebatte eingebracht, nachdem deren Kooperationspartner CDU und FDP jede weitere Geldausgabe für das lümo zuvor noch abgelehnt hatten. Die bereits begonnen Gespräche zwischen uns und der Stadtverwaltung sind seit diesem Beschluss wieder zum Erliegen gekommen.” sg
Anmerkung der Redaktion: „Offensichtlich wurde die weitere Verlängerung auf Grundlage der Forderung der Grünen nach einem sicheren Beförderungsmittel für Frauen in die Haushaltsdebatte eingebracht […]“ so musste André Marx die Verlängerung miterleben. Sicher eine bittere Pille, wenn man bedenkt, dass in vielen Städten gerade das Taxi als sichere Beförderung insbesondere für Frauen gilt. Da hätten die Verantwortlichen besser mal Frauen-Nacht-Taxi in die Suchmaschine eingeben sollen.
Beitragsfoto: Collage lümo-App Foto: ki-generiert







