Die Einführung von Mindestbeförderungsentgelten (MBE) ist auf dem Vormarsch, das zeigen jüngste Entwicklungen in Essen, Köln und München. Ein Systemanbieter zur Taxivermittlung warnt jedoch davor, das als Sieg gegenüber den Plattformen zu interpretieren.
Wie auf der Webseite von Taxikomm24 in einem Blog zu lesen ist, ist das MBE ein wichtiger Hebel für einen fairen Wettbewerb zwischen Mietwagen und Taxi. Allerdings darf man nicht davon ausgehen, dass sich die Plattformen vom Markt zurückziehen werden. Dafür wurde in der Vergangenheit schon zuviel in den deutschen Markt investiert, siehe die Übernahme von Freenow durch Lyft, was den us-amerikanischen Plattformvermittler rund 175 Millionen Euro gekostet hat. Das ist natürlich eine Investition, die man wieder erwirtschaften muss.
Deshalb ist also davon auszugehen, so die Logik in dem Blog, dass mit der Einführung eines Mindestbeförderungsentgelts zwar der Preisvorteil verschwindet, aber nicht die Plattformen. Sie werden ihren Wettbewerb also auf andere Bereiche konzentrieren müssen. Taxikomm24 nennt hier vier verschiedene Bereiche. Die Plattformen werden die Geschwindigkeit optimieren müssen, den App-Komfort erhöhen, die Fahrer-Verfügbarkeit ausweiten und an der Verlässlichkeit arbeiten müssen.
Wem diese Punkte bekannt vorkommen, weiß, dass das bislang immer die oft kommunizierten Tugenden und Vorteile des Taxis waren, wo in Zukunft die Mietwagen punkten können. Weiterhin wird die Wichtigkeit des Telefons hervorgehoben. Wie man bei Taxikomm24 feststellt, ist die telefonische Bestellung bislang immer noch ein total unterschätzter Vorteil der klassischen Taxivermittlung: „Die Seniorin mit dem Arzttermin, der Geschäftsreisende, der nach dem Meeting den nächsten ICE bekommen muss, der Disponent eines Pflegedienstes, das Hotel an der Rezeption. Dieser Markt ist groß, profitabel und nicht digital getrieben.“ Dass dies auch die Plattformvermittler bereits erkannt haben, zeigen jüngste Entwicklungen. So hat sich Uber bzw. dessen Generalunternehmer durch die angekündigte Übernahme der Taxi Frankfurt eG selbstverständlich auch die telefonischen Bestellungen mit unter den Nagel gerissen und FreeNow by Lyft bietet in einzelnen Städten auch eine telefonische Bestellmöglichkeit an.
In einem dritten Punkt wird in dem Blogpost hervorgehoben, dass sich auch Zentralen an die eigene Nase packen müssen, denn auch dort werden in Zukunft die Personalkosten ins Unermessliche ansteigen. Zudem hat die Disposition häufig die Fahrzeuge nach ‘Bauchgefühl’ zugeteilt. Dennoch wird unterstrichen, wie wichtig eine persönliche Anrufannahme von Disponenten mit Ortskenntnis für die Anrufer ist. Eine KI oder ein Chatbot sind da aus Sicht von Taxikomm24 genauso wenig hilfreich wie eine Vermittlung aus einem weit entfernten Callcenter.
Für Taxikomm24 ist das Fazit eindeutig. Das MBE ist nichts weiter als ein Zeitfenster, das man nutzen sollte, um die Aufträge per App UND Telefon anzunehmen. Die App alleine wird es nicht bringen, denn der Stammkunde, der bisher immer telefonisch bestellt hat, wird das auch weiterhin tun, im Zweifel dann aber beim lokalen Wettbewerber, der Anrufe entgegennimmt. sg
Hinweis der Redaktion: Um das Thema Personalkosten bei der Auftragsdisposition geht es auch bei diesem Beitrag.
Beitragsfoto: Symbolbild App und Telefon








Das Berliner Taxigewerbe leidet besonders stark unter den derzeitigen Bedingungen, da der Stundenumsatz vieler Fahrer teilweise unter 15 Euro liegt – nachts sogar häufig unter 10 Euro. Statt als Hauptstadt beim Mindestbeförderungsentgelt eine Vorreiterrolle einzunehmen, versteckt sich Berlin hinter anderen Städten und wartet zynisch auf gerichtliche Entscheidungen, um am Ende selbst davon zu profitieren, ohne zuvor Verantwortung übernommen zu haben – obwohl über Jahre hinweg erhebliche Summen für Gutachten und juristische Bewertungen..
Dieses Verhalten passt leider ins Gesamtbild der Stadt: Berlin ist inzwischen weltweit dafür bekannt, Großprojekte wie den Flughafen jahrelang nicht fertigzubekommen, während überall Dauerbaustellen das Stadtbild prägen. Selbst absolute Halteverbotsschilder aus dem Jahr 2021 stehen teilweise noch immer herum – etwa in der Badstraße wegen einer angeblichen Fahrstuhlbaustelle. Statt konsequenter Lösungen dominieren Verzögerung, Stillstand und bürokratische Ausreden.
Typisch Berlin
Auch hier wird wieder mal der klar geregelte Unterschied von Taxi und Mietwagen verwischt.
Wenn dieser Unterschied nicht mal durch Angehörige der eigenen Zunft vertreten wird, ist das Taxisystem in seiner Existenz weiter in Gefahr.
Mietwagen sind für ein anderes Geschäftsfeld als Taxi durch das PbefG definiert. Wenn diese Abgrenzung nicht durchgesetzt wird, können wir das System Taxi in die Tonne treten. Denn dann wird, wie von den Globalplattformen gewünscht, ein völlig freier Markt mit ausbeuterischen Verhältnissen sowohl Kunden wie Fahrer und Betriebe weiterhin nach Belieben plündern.
So wie bisher seit deren Auftreten vor mehr als zwölf Jahren geschehen.
Es liegt auf der Hand, dass die Plattformen vor allem Konkurrenz zu klassischen Taxivermittlungszentralen sind und mehr und mehr dazu werden, je mehr die Pseudo/Fake-Taxis zurückgedrängt werden.
Denn diese Plattformen wollten und wollen ins Taxigeschäft. Aber weil sie im Taxigewerbe keiner haben wollte, sind sie den Umweg über die illegalen Pseudo/Fake-Taxis in Form der Mietwagen gegangen.
Deshalb ist es so wichtig, die taxieigenen Vermittlungssysteme zu vereinheitlichen und dadurch zu stärken.
Mietwagen sind keine Taxis. Aus gutem Grund.