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Start Landesverbände

Taxibund Niedersachsen nach sieben Wochen aufgelöst

von Axel Rühle
7. September 2026
Lesedauer ca. 4 Minuten.
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Taxibund Niedersachsen soll den weißen Fleck farbig machen
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Um auch im zweitgrößten Flächenland wieder präsent zu sein, hatte der BVTM einen Landesableger für Niedersachsen ins Leben gerufen. Mit der angekündigten Rückkehr der GVN-Fachvereinigung zum BVTM ist der Taxibund verzichtbar geworden.

Der Taxibund Niedersachsen könnte wegen der ultrakurzen Dauer seines Bestehens als Kuriosum in die Geschichte der Personenbeförderung eingehen: Nach nur sieben Wochen ist seine Existenz obsolet geworden, da der große Landesverband, der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) mit seiner Fachvereinigung Taxi und Mietwagen zum kommenden Jahrenswechsel in den Bundesverband Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM) zurückkehrt.

Niedersachsen war ein weißer Fleck auf der Landkarte des Bundesverbandes, der seit Gründung des Taxi- und Mietwagenverbandes Deutschland e. V. (TMV) zum Jahresbeginn 2021 klaffte: Vier Landesverbände, darunter die Fachvereinigung des GVN, waren aus dem BVTM ausgetreten, und drei von ihnen hatten den „zweiten Bundesverband“ gegründet. Schmerzlich für den BVTM: Der eigene Präsident, der mittlerweile verstorbene Michael Müller, Mietwagenunternehmer aus Göttingen und zugleich Vorsitzender der GVN-Fachvereinigung Taxi und Mietwagen sowie GVN-Vizepräsident, spielte eine Hauptrolle bei der Spaltung und wurde Präsident des neuen Verbandes – der bis heute trotz späteren Beitritt eines der vier Berliner Landesverbände nicht über fünf Mitgliedsverbände und einen assoziierten Partner in insgesamt sechs Bundesländern hinausgekommen ist.

In den Bundesländern, in denen dem BVTM nun starke Mitgliedsverbände fehlten, kamen in den darauffolgenden Jahren neue Mitglieder hinzu: Im Juni 2021 beschloss der Taxiverband München (TVM) eine Erweiterung seiner Arbeit auf ganz Bayern und trat dem BVTM bei (seine Umbenennung in Taxiverband Bayern – TVB wurde mittlerweile aber zurückgenommen). Im Februar 2022 wurde die Fachvereinigung Personenverkehr Sachsen-Anhalt, die zum LTV Thüringen gehört, als neues BVTM-Mitglied begrüßt (der Landesverband Sachsen-Anhalt LVSA hatte sich für die TMV-Mitgliedschaft entschieden). Im Dezember 2023 wurde die Taxizentrale Kassel Mitglied im BVTM.

Da Niedersachsen fehlte, hatte BVTM-Geschäftsführer Michael Oppermann im Juli 2026 zu einem Schachzug gegriffen und einen BVTM-Ableger namens Taxibund Niedersachsen ins Leben gerufen und mit einem schlanken Mitgliedsbeitrag Unternehmen ohne Verbandszugehörigkeit anzusprechen, die in einer starken bundespolitischen Vereinigung organisiert sein wollten.

Der Instant-Landesverband nahm schnell seine Arbeit auf: Oppermann sprach bei fünf Terminen in Niedersachsen mit rund 50 Taxi- und Mietwagenunternehmern, um die Gewerbepolitik des Verbandes auf die Bedürfnisse vor Ort abzustimmen. Aus den Gesprächen brachte Oppermann eine lange Liste von Themen mit, die die Branche in Niedersachsen umtreibt, darunter Krankfahrten, Bürokratie und die Fachkunde.

Ein wichtiges Thema hat sich durch alle Unternehmerdialoge gezogen: die Frage nach der Einheit der Gewerbevertretung. Immer wieder sei der Wunsch geäußert worden, die Interessen der Branche „als starke Einheit, geschlossen und kraftvoll“ zu vertreten, schreibt Oppermann in einer Mail an die Teilnehmer der Dialogreihe.

Es wird allgemein im deutschen Taxigewerbe als Missstand beklagt, dass mehrere Verbände auf Bundesebene Interessen der Branche vertreten und sich dabei nicht immer in allen Punkten einig sind – bestes Beispiel sind die Positionen zur Kleinen Fachkunde, aber auch die teils konkurrierenden Positionen des Taxi- und des Mietwagengewerbes, die in Ballungsgebieten häufig andere sind als in ländlichen Regionen und als Hauptgrund für die Abspaltung derjenigen Landesverbände gelten, die Ende 2020 den BVTM verließen und den TMV gründeten. Streitpunkt war damals die Rückkehrpflicht für Mietwagen im Kontext der Novelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG). Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Donth hatte die Crux bei einem launigen Gespräch einmal auf den Punkt gebracht, indem er sinngemäß sagte, wenn zwei Verbände mit einander widersprechenden Anliegen auf die Politik zukämen, könne man als Politiker untätig bleiben, da es unmöglich sei, beide Verbände zufriedenzustellen.

Wochen nach der Bildung des Taxibundes Niedersachsen sorgte eine Ankündigung der GVN-Fachvereinigung Taxi und Mietwagen für Aufsehen: Unter der neuen Leitung des im Juli zum Vorsitzenden gewählten Dimitrios Konstantianos beschloss deren Delegiertenversammlung nach sechs Jahren TMV-Mitgliedschaft die Rückkehr zum BVTM zum kommenden Jahreswechsel. Genau hier sieht der BVTM nun einen entscheidenden Fortschritt: Dadurch spreche man wieder „mit einer Stimme“, so Oppermann.

Der GVN selbst ist zwei Jahre älter als der BVTM: Der niedersächsische Verband besteht seit 1945. Der Vorgängerverband des heutigen BVTM wurde dann 1947 als „Arbeitsgemeinschaft Personenverkehr für das Bundesgebiet e. V.“ (AGP) gegründet. Den Namen trug der Verband, der lange in Frankfurt am Main saß, bis 1965. Bis 1984 gab es laut verbandseigener Chronik mehrere Umbenennungen, bis sich der Name „Bundes-Zentralverband der Deutschen Personenverkehrsunternehmer mit PKW e. V.“ (BZP) etablierte. 1984 erhielt der Verband seine bis heute im Kern gültige Organisationsstruktur. 1992 wurde der Verbandsname auf „Bundes-Zentralverband Personenverkehr – Taxi und Mietwagen e. V. “ (BZP) verkürzt. Im November 2018 zog der BZP nach Berlin um. Im März 2019 folgte die Umbenennung in Bundesverband Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM).

Pikanter Nebenaspekt: Die Zentrale Hallo Taxi 3811 in Hannover war jahrelang im GVN organisiert, und zwar über die Fachgruppe Hannover: Im Januar 2025 wurde Michael Frenzel, Fachgruppenvorsitzender im GVN, zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden von Hallo Taxi 3811 gewählt. Im Mai 2025 wechselte Wolfgang Pettau, Geschäftsführer von Hallo Taxi 3811, aus seiner Position als Fachgruppen-Funktionär, blieb aber Geschäftsführer der Zentrale; Lars Bittner rückte als stellvertretender Vorsitzender der GVN-Fachgruppe Hannover nach. Die dortigen Taxiunternehmer waren größtenteils Mitglieder bzw. Teilnehmer von Hallo Taxi 3811. Die Zentrale war also über ihre Mitgliedsunternehmen eng mit dem GVN verzahnt.

Diese Verzahnung zerbrach Mitte Oktober 2025: Hallo Taxi 3811 kündigte den Austritt aus dem GVN zum 1. Januar 2027 an. Zum selben Stichtag tritt nun aber der GVN wieder dem BVTM bei. Ob Hallo Taxi 3811 angesichts dieser Wendung am eigenen GVN-Austritt festhält, ist mit Spannung abzuwarten.

Der Dialog des BVTM mit den niedersächsischen Unternehmern gehe weiter, betont Oppermann – künftig wieder im Rahmen des GVN, und das bereits vor dem offiziellen Wieder-Beitritt: Bereits in drei Wochen, am 26. September, ist er wieder in Niedersachsen, beim Taxi- und Mietwagentag des GVN in Bad Nenndorf. ar

Beitragsbild: Schon wieder Geschichte – das Logo des Taxibundes Niedersachsen

Tags: Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. (BVTM)Michael FrenzelMichael MüllerMichael OppermannTaxi- und Mietwagenverband Deutschland e.V. TMVTaxibund NiedersachenTaxizentrale Hallo Taxi 3811Wolfgang Pettau
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Axel Rühle

Der Berlin-Insider ist Funkkurs-Dozent und ursprünglich Stadtplaner. Seit 1992 ist er im Besitz eines Personenbeförderungsscheins und immer wieder auch im Taxi anzutreffen. Inhaltlich betreut er in Wort und Bild alle Themen rund um die Taxi Times Berlin.

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