Der Konflikt um die Vergütung der Krankenfahrten treibt die Krankenkassen in die Enge. Ihre Beschwichtigungen gegenüber den Medien und den Patienten sind trügerisch.
Als die Taxi-Vertreter des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern zu Beginn der Woche die Verhandlungen mit den Kassen für gescheitert erklärt hatten, wurde darauf auch die Tagespresse aufmerksam. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, dass die Taxibetriebe ab 1. April keine Fahrten mehr über die Krankenkassen abrechnen. Die Versorgung sei jedoch weiterhin sichergestellt, nur müssten die Patienten die Kosten für die Taxifahrten zunächst selbst auslegen und dann bei der Krankenkasse einreichen.
Auch die Krankenkassen selbst beschwichtigen, agieren dabei aber mit Zahlen, die von Taxigewerbe stark bezweifelt werden – zum einen, weil die Angaben je nach Zeitung unterschiedlich ausfallen, zum anderen, weil der Taxiverband von Mecklenburg-Vorpommern aufgrund der Aussagen eigener Mitglieder auf ganz andere Zahlen kommt. So wird im Nordkurier von 200 Taxibetrieben gesprochen, die angeblich mit den Kassen Einzelverträge abgeschlossen hätten, während der NDR berichtet, dass sogar schon 350 Betriebe den Einzelverträgen zugestimmt hätten.
Der Landesverband spricht jedoch von 160 Unternehmen, von denen die meisten Solounternehmen mit nur einem Fahrzeug seien. Rund ein Drittel aller Verbandsmitglieder würden dagegen Einzelverträge ablehnen. Da es sich hierbei um Betriebe mit größeren Flotten handelt, würden den Krankenkassen ab 1. April vierzig Prozent aller bisher verfügbaren Fahrzeuge wegfallen. Die von den Kassenvertretern über die Medien verbreiteten Beteuerungen, dass die Versorgung sichergestellt sei, wird daher stark bezweifelt.
Der Nordkurier hatte berichtet, dass die Krankenkassen für die betroffenen Patienten nach Ersatz suchen würden – „entweder mit Vertragsunternehmen oder mit Ersatzbeförderungen. Dazu könnten Busse oder Bahnen, gleichwertige Fahrdienste oder im Notfall auch Krankentransporte mit dem Rettungsdienst zählen“, erklärte AOK-Nordost-Bereichsleiter Forbrich.
Auch der Verband der Ersatzkassen versucht zu beschwichtigen: Im schlimmsten Fall müsse man zunächst in Vorleistung gehen und später die Quittung bei der Krankenkasse einreichen“, äußert sich ein Vertreter der Ersatzkassen beim Nordkurier. Er schränkt allerdings ein, dass die Fahrpreise nur in Höhe der geltenden Vertragspreise den Patienten erstattet werden.
Was das finanziell für die Betroffenen Mitglieder der Krankenkassen bedeutet, rechnet ein Taxiunternehmer vor: „Die Differenz zwischen den Vertragssätzen und den auskömmlichen Taxi- und Mietwagenentgelten ist erheblich. Wie soll ein Serienpatient diesen Mehraufwand bezahlen? Nur mal als kleines Beispiel: Der Preis für eine Tragestuhlfahrt in Bereich von 5 km wird von uns mit 95,00 Euro in Rechnung gestellt, die Kassen bezahlen davon 60,00 Euro. Falls der Patient auch wieder nach Hause möchte, verdoppelt sich der Betrag. Ein Dialysepatient fährt im Durchschnitt 13 mal monatlich zur Behandlung. Der Kassenvertreter geht somit davon aus, dass der Dialysepatient jeden Monat 910 Euro von seiner wahrscheinlich stattlichen Rente für diese Fahrten selbst auslegen kann.“
Die Taxivertreter warnen daher sowohl die Patienten als auch die Medienredakteure vor den Aussagen der Krankenkassen: „Die nach außen dargestellte Beruhigung der Menschen in unserem Land ist trügerisch. Ohne Panik zu verbreiten können wir sagen, dass es ab dem 1.4.26 zu massiven Fahrausfällen kommt, die kein Rettungsdienst auch nur ansatzweise ersetzen kann.“
Seitens des Taxigewerbes wird betont, dass man weiterhin zu Verhandlungen bereit ist. jh
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Beitrags-Symbolfoto: KI-generiert








