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Start Autonomes Fahren

Autonomes Fahren: Pilotprojekte in Europa – Beispiel Niederlande

von Wim Faber
6. Juli 2026
Lesedauer ca. 3 Minuten.
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Autonomes Fahren: Pilotprojekte in Europa – Beispiel Niederlande
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Aus verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten häufen sich die Meldungen über Robotaxi-Projekte, die zum Teil kurz vor der Serienreife stehen. Auch die Gesetzgebung dafür ist in einigen Ländern bereits weit fortgeschritten. Wir berichten in mehreren Teilen:

Teil 1: Aktueller Überblick und beteiligte Player
Teil 2: Ursprünge und heutige Situation in Deutschland
Teil 3: Lobbyarbeit in Großbritannien zahlt sich für Wayve und Waymo aus
Teil 4: Belgien arbeitet am Rechtsrahmen
Teil 5: Hohe Dichte an Projekten im Baltikum
Teil 6: Viele Player in Spanien
Teil 7: Größere Fahrzeuge in Österreich
Teil 8: Luxemburg – klein aber aktiv
Teil 9: Vielfältige Forschung und strenge Regeln in den Niederlanden
Weitere Teile folgen.

Dies ist Teil 9: Vielfältige Forschung und strenge Regeln in den Niederlanden

In den Niederlanden, einem seit Jahren sehr aktiven Land im Bereich automatisiertes und autonomes Fahren, gelten bereits seit Anfang dieses Jahres strenge Regeln für autonome Mobilität. Landesweit liegt der Schwerpunkt derzeit weniger auf privaten Robotaxis als auf autonomen Shuttles, Bussen, Logistikfahrzeugen und Testinfrastruktur. Zu den praktischen Tests gehören derzeit bestimmte automatisierte Systeme, die Teslas FSD (Full Self-Driving) zum Einsatz bringen. Aktuell betrifft es nur Tesla mit dem Full Self-Driving-System. Dieses verlangt weiterhin Aufsicht, d. h. es muss weiterhin ein Mensch am Steuer sitzen.

Die Niederlande sind in Europa von Anfang an mit der Überwachung ihres Systems vertreten. Der Rijksdienst voor het Wegverkeer (RDW), die staatliche Fahrerlaubnis- und Kfz-Zulassungsbehörde, hat grünes Licht für Autonomiestufe 2 gegeben, bei der die Person, die am Lenkrad sitzen muss, bei Bedarf direkt eingreifen kann. Prototypen-Regelungen: Fabrikanten und Kunden-Infrastrukturen können über den RDW eine Auswahl individueller nationaler Produkte erstellen, um den Experimentatoren zu helfen.

Im April hat der RDW die Genehmigung für das autonome Tesla Full Self-Driving Supervised-System (FSD) erteilt. Da die Niederlande das erste europäische Land sind, in dem Tesla die Freigabe erlangt hat, will man auf dieser Grundlage Genehmigungen für Schweden, Litauen, Estland und Belgien beantragen.

Anders als bei anderen autonomen Fahrsystemen, die oft Lidar-gestützt sind, arbeitet Tesla grundsätzlich nur mit Sensoren und Video-Aufnahmen, um den Wagen auf der Straße zu halten.

ParkShuttle in Rotterdam; Foto: Wvdp / Wikimedia Commons (CC0 1.0)

Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldete, sollen allerdings von Tesla bereitgestellte Daten als Grundlage für die Genehmigung dienen. Unter anderem soll es so zu irreführenden Aussagen gekommen sein, Beispielsweise wie viel sicherer ein Auto mit FSD fährt als ein vom Menschen gesteuerter Wagen.

Wie Reuters RDW vorwirft, sollen die Daten im amerikanischen Raum generiert worden sein, wo die regulären Fahrzeuge nicht den aktuellen Stand der Technik repräsentieren, sondern viel weniger Sicherheitsfeatures haben. Damit schnitten die FSD-Modelle von Tesla besser ab. Gegenüber Reuters sagte der RDW, es seien „keine Marketingbehauptungen externer Statistiken“ verwendet worden, da es sich bei der Beurteilung für die Zulassung autonomer Fahrzeuge ausschließlich um eigene Tests, Analysen und Verifizierungen seitens das RDW handele.

Der RDW selbst betreibt in Lelystad bei Amsterdam eines der wichtigsten europäischen Testzentren für autonomes Fahren. Dort werden Fahrzeuge, Bussysteme und Fahrerassistenzsysteme unter realitätsnahen Bedingungen geprüft. Das Zentrum dient auch als Testumgebung für internationale Hersteller. Mit der jährlich stattfindenden Self Driving Challenge fördert die RDW Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Studierende entwickeln dabei autonome Fahrzeuge und testen sie auf dem Lelystader Gelände.

In Rotterdam betreibt die Busgesellschaft Connexxion bereits seit 1999 einen Dienst mit mehreren Kleinbussen namens ParkShuttle zwischen der U-Bahn-Station Kralingse Zoom und dem Rivium-Geschäftspark im benachbarten Industrie-Vorort Capelle aan den IJssel im Einsatz. Ein weiteres Projekt in der Hafenstadt ist ein autonomer Shuttlebus, der seit August 2025 zwischen der Metrostation Meijersplein und dem Flughafen Rotterdam-The Hague als Pilotbetrieb mit Fahrgästen getestet wird. Der Bus wurde von der türkischen Firma Karsan gebaut und nutzt ein Automated Driving System von Adastec.

Autonomer Gepäckkarren am Amsterdamer Flughafen; Foto: AMS Schiphol

Am Flughafen Schiphol testen KLM, Amsterdam Airport Schiphol und der britische Hersteller Aurrigo autonome Fahrzeuge, die Gepäckcontainer selbstständig über das Flughafengelände transportieren. Weitere Logistikprozesse sollen automatisiert werden.

Die niederländische Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (TNO) arbeitet an Projekten, bei denen Busse nach Ankunft im Depot alleine zu ihrem Stellplatz fahren. Außerdem werden Systeme zur automatischen Geschwindigkeitsanpassung und Übergänge zwischen Fahrerbetrieb und vollautonomem Betrieb untersucht.

Im EU-Projekt InterAct wurden in den Niederlanden gemeinsam mit Partnern aus anderen europäischen Ländern autonome Busse mit speziellen Mensch-Maschine-Schnittstellen getestet. Ziel ist es, vollautonome Busflotten ohne Sicherheitsfahrer gesellschaftlich akzeptabler und sicherer zu machen. wf / ar

Siehe auch: Eine Sammlung von Taxi-Times-Artikeln zum Thema Autonomes Fahren

Beitragsbild: Tesla Cybercab, Foto: Dllu, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Tags: Fahrerlose AutosFull Self-DrivingGroßbritannienNiederlandeRobo-TaxiTesla
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Wim Faber

Der „Brüsseler Niederländer“ und gelernte Kommunikationsspezialist berichtet seit den 80-er Jahren für eine Reihe von Taxi- und ÖPNV-Fachzeitschriften in Europa, Nordamerika und Australasien über das Taxi und die Mobilität im weitesten Sinne.

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