Aus verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten häufen sich die Meldungen über Robotaxi-Projekte, die zum Teil kurz vor der Serienreife stehen. Auch die Gesetzgebung dafür ist in einigen Ländern bereits weit fortgeschritten. Wir berichten in mehreren Teilen:
Teil 1: Aktueller Überblick und beteiligte Player
Teil 2: Ursprünge und heutige Situation in Deutschland
Teil 3: Lobbyarbeit in Großbritannien zahlt sich für Wayve und Waymo aus
Teil 4: Belgien arbeitet am Rechtsrahmen
Teil 5: Hohe Dichte an Projekten im Baltikum
Teil 6: Viele Player in Spanien
Teil 7: Größere Fahrzeuge in Österreich
Teil 8: Luxemburg – klein aber aktiv
Weitere Teile folgen.
Dies ist Teil 8: Luxemburg – klein aber aktiv
In Luxemburg starten Bolt, Pony.ai und Stellantis ein Pilotprojekt für autonomes Fahren. Das Pilotprojekt für autonome Mobilität des estnischen Fahrdienstes Bolt vereint seit dem 9. Juni das chinesische Robotaxi- und KI-Unternehmen Pony.ai und den internationalen Automobilhersteller Stellantis (Peugeot, Fiat u. a.) in einem „Living Lab“ (lebendes Labor) im Großherzogtum Luxemburg. Für Stellantis demonstriert das Projekt sein wachsendes Partnernetzwerk in Europa und treibt seine globale Strategie für fahrerlose Mobilität der Autonomiestufe 4 voran, also Fahren ohne menschliches Eingreifen. Die Zusammenarbeit nutzt die „L4-Ready Platform“ von Stellantis für die skalierbare Implementierung von Level 4. Pony.ai war in dem EU-Land, das flächenmäßig so groß wie das benachbarte Saarland ist, bereits mit einem Test- und Forschungszentrum aktiv.
Das Projekt soll sich auf Sicherheit, Leistung und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben im luxemburgischen Straßenverkehr konzentrieren und unterstützt Bolts Strategie, öffentlich zugängliche „Living Labs“ für die Erprobung vernetzter und automatisierter Fahrzeuge im realen Stadtverkehr zu entwickeln. Die Unternehmen streben bis zum Ende des Pilotprojekts die vollständige Einsatzbereitschaft für autonomes Fahren an. Unterstützt wird es durch Luxemburgs zukunftsorientierten Ansatz bei der Erprobung autonomer Mobilität.
Sowohl Markus Villig, Gründer und Geschäftsführer von Bolt, als auch Dr. James Peng, Gründer und Geschäftsführer von Pony.ai, unterstrichen „Luxemburgs fortschrittlichen Ansatz bei der Erprobung dieser Technologie. Luxemburgs zukunftsorientiertes regulatorisches Umfeld bietet eine solide Grundlage für die Erprobung autonomer Mobilität in Europa.“
Das Bolt-Pony.ai-Stellantis-Projekt steht dabei nicht allein. Pony.ai Europe hat zusätzlich eine Absichtserklärung mit Emile Weber unterzeichnet, dem führenden Mobilitätsunternehmen im Großraum Luxemburg, das neben öffentlichem und privatem Personenverkehr auch Taxidienste und Fahrzeugverleih betreibt. Der Schritt folgt einer bereits im März 2024 geschlossenen Vereinbarung zwischen Pony.ai und der luxemburgischen Regierung und zeigt, dass das Großherzogtum autonome Mobilität nicht als Labor-Experiment begreift, sondern in bestehende Mobilitätsstrukturen einbetten will. Pony.ai erhielt 2025 als erster Robotaxi-Anbieter eine Genehmigung des luxemburgischen Mobilitätsministeriums für Tests autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen.

Luxemburg dient inzwischen als europäische Basis von Pony.ai. Das Unternehmen hat dort sein erstes europäisches Forschungs- und Testzentrum eingerichtet, von dem aus die Aktivitäten für Europa koordiniert werden. Das Pilotprojekt fügt sich in eine gemeinsame Absichtserklärung von 18 EU-Mitgliedstaaten für großangelegte grenzüberschreitende Tests autonomer Fahrzeuge im Rahmen des European Automotive Action Plan ein. Luxemburg hat sich damit als einer der aktivsten Vorreiter für autonome Mobilität innerhalb der EU positioniert – mit einem günstigen Regulierungsrahmen, zentraler geografischer Lage und einem bereits gewachsenen Netzwerk aus internationalen Industriepartnern.
Die Universität Luxemburg betreibt mehrere Forschungsprogramme zum autonomen Fahren. Dazu gehört das Projekt „5GDrive“, das die Fernüberwachung und Fernsteuerung hochautomatisierter Fahrzeuge über 5G-Netze untersucht. Partner sind unter anderem Post Luxembourg und Ohmio. Außerdem wurde mit „RoboCar“ eine offene Forschungsplattform für autonomes Fahren entwickelt, die bereits auf öffentlichen Straßen in Luxemburg getestet wurde.
Für das Taxigewerbe in den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Belgien dürfte die Entwicklung im kleinen Großherzogtum daher aufmerksam zu verfolgen sein. wf / ar
Siehe auch: Eine Sammlung von Taxi-Times-Artikeln zum Thema Autonomes Fahren
Beitragsbild: Stellantis







