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Start Mindestbeförderungsentgelt

Die dreifache Frankfurter Taxidemo

von Axel Rühle
18. Mai 2026
Lesedauer ca. 5 Minuten.
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Die dreifache Frankfurter Taxidemo
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Diese Meldung ist am Dienstag, dem 19.5.2026, aktualisiert worden, indem Bilder vom Taxikorso eingefügt wurden. Siehe unten.

Das Frankfurter Taxigewerbe demonstriert für die schnelle Einführung eines MBE. Die nächste Demo ist morgen. Taxi Times hat dazu erneut die Whatsapp-Gruppe „Wir sind Taxi-Demo“ geöffnet. Eine Woche später folgt die nächste Demo.

„Genug ist genug! Mindestpreis für alle – jetzt!“ – so lautet das Motto der morgigen Taxi-Demo in Frankfurt am Main. Um eine große Öffentlichkeitswirkung zu erzielen, wurde der morgige Dienstag gewählt, da mit der IMEX eine bedeutende internationale Fachmesse in Frankfurt beginnt und sowohl im innerstädtischen Verkehr als auch im Pendler- und Messeverkehr mit einem besonders hohen Verkehrsaufkommen gerechnet wird.

Treffpunkt ist morgen früh um 9 Uhr am Startpunkt Flughafen Gateway Gardens. Die genehmigte Demonstrationsroute führt unter anderem über verkehrlich besonders sensible Bereiche wie die A5, die A648, die Wiesbadener Straße sowie die Theodor-Heuss-Allee und betrifft damit zentrale Verkehrsachsen des Pendlerverkehrs sowie der An- und Abreise zahlreicher Messebesucher. Die Protestfahrt soll so auch zeigen, welche Bedeutung funktionierende, sichere und regulierte Mobilitätsstrukturen für eine internationale Wirtschafts- und Messestadt wie Frankfurt haben.

Taxi Times hat wie üblich die Whatsapp-Gruppe „Wir sind Taxi-Demo“ für die Teilnehmer und Veranstalter geöffnet, damit live und ohne Zeitverlust Bilder, Filmmitschnitte und Informationen vom ersten Treffen am Flughafen bis zum Ende des Taxikorsos geteilt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Dazu der rechtliche Hinweis: Diese Gruppe wird von der Taxi-Times-Redaktion betrieben und dient dem Austausch von Fotos und Videomitschnitten von Taxi-Demos. Mit dem Hinzufügen einer Datei erklärt jede(r) Teilnehmer(in), die Rechte an dem Material komplett an die Taxi Times Verlags-GmbH zu übertragen und auf jegliche Honorarforderungen zu verzichten. Es dürfen nur selbst erstellte Aufnahmen gepostet werden.

Da Taxi Times Fotos und Filmmitschnitte in der Regel im klassischen Format verarbeitet, also nicht hochkant wie bei Tiktok, sondern im Breitbild-Format, bitten wir alle Teilnehmer, ihr Smartphone beim Fotografieren und Filmen nicht hochkant zu halten, sondern quer – wie die Profis. Wir freuen uns auf eindrucksvolle Aufnahmen vom Taxikonvoi.

Die Taxi-Vereinigung Frankfurt am Main e. V. beklagt wie die meisten Gewerbeverbände in Ballungszentren, dass die Taxibetriebe immer mehr in Existenznot geraten bzw. pleite gehen. Verbraucher wählen in der Regel die billigere Dienstleistung, die es – außer bei erhöhter Nachfrage – meist bei den Plattformmietwagen gibt. Es ist vielfach erwiesen und rechnerisch leicht nachvollziehbar, dass diese Dumpingpreise nur dadurch möglich sind, dass soziale Standards umgangen und Fahrer unter prekären Bedingungen beschäftigt werden. Dies bestätigen auch zahlreiche Medienrecherchen. Ganz aktuell hat vor kurzem beispielsweise die WDR-Sendung „Westpol“ berichtet (Hier geht es zur Sendung, Bericht ab Minute 12.41).

In der Metropole mit einer Dreiviertelmillion Einwohner macht die erdrückende Fülle von plattformvermittelten Mietwagen, zum erheblichen Teil mit Kennzeichen und Konzessionen aus umliegenden Landkreisen und Städten, den Verdrängungswettbewerb für jedermann sichtbar, auch für Behörden und die Politik.

Da diese aus Sicht des Taxigewerbes bislang zu wenig reagiert, hatte die Taxi-Vereinigung bereits für letzten Dienstag zu einer erneuten Demonstration aufgerufen, zu der an die 200 Taxifahrer und ‑unternehmer kamen. Im Mittelpunkt der Proteste steht die Forderung nach einer sofortigen und wirksamen Regulierung des Personenbeförderungsmarktes sowie der Einführung eines Mindestbeförderungsentgelts für Mietwagen (MBE). Auch am bundesweiten Taxi-Aktionstag im letzten Sommer hatte die Frankfurter Taxifahrer demonstriert.

Wie die Taxi-Vereinigung beklagt, hätten insbesondere die Ergebnisse der jüngsten behördenübergreifenden Großkontrollen aus Sicht vieler Unternehmer deutlich gemacht, dass der Markt im Bereich der Fahrdienste zunehmend aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Bei den Kontrollen wurden unter anderem gefälschte Personenbeförderungsdokumente, Verstöße gegen Fahrerlaubnisvorschriften und Fahrzeugmängel festgestellt sowie mehrere Fahrer unter Rauschmitteleinfluss angetroffen. Es wurden zahlreiche Strafverfahren eingeleitet.

„Für viele Unternehmer sind diese Ergebnisse keine Überraschung mehr, sondern Ausdruck eines Systems, das seit langer Zeit unter massivem wirtschaftlichem Druck steht“, so die Taxi-Vereinigung in einer Pressemitteilung. Viele Betriebe hätten inzwischen erhebliche Schwierigkeiten, qualifizierte und verlässliche Fahrer zu finden. Gleichzeitig wechseln zunehmend Fahrer aus dem Mietwagenbereich in das Taxigewerbe, wobei es häufig zu Unregelmäßigkeiten bei Dokumenten, Qualifikationsnachweisen und Genehmigungen komme.

„Genau diese Entwicklung zeigt, wie dringend eine umfassende Kontrolle und Regulierung des gesamten Personenbeförderungsmarktes geworden ist“, so der Text weiter. „Denn am Ende geht es nicht nur um Wettbewerb, sondern um die Wiederherstellung von Qualitätsstandards, Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen – sowohl für Fahrgäste als auch für ehrliche Unternehmer und Fahrer.“

Der neue Vorsitzende der Taxi-Vereinigung, Ergin Koc, erklärt: „Wer dauerhaft zu Preisen arbeitet, die wirtschaftlich kaum tragfähig sind, erzeugt zwangsläufig einen enormen Druck auf Fahrer, Unternehmer und Strukturen. Die Folgen sehen mittlerweile nicht nur wir, sondern auch die Kontrollbehörden.“

Schon in den letzten Monaten und Jahren hatten sich häufig mehrere hundert Fahrzeuge an Protestaktionen in Frankfurt beteiligt (Taxi Times berichtete). Die Fahrer werfen Politik und Behörden vor, illegale Praktiken im Mietwagengewerbe nicht konsequent genug zu verfolgen und die Mietwagen, die illegalen taxigleichen Verkehr durchführen, sowie ihre Unternehmen zu wenig zu kontrollieren.

Die Stadtverwaltung verweist darauf, in Form zahlreicher Kontrollen bereits einiges zu unternehmen. Zudem hat man mit den Plattformen einen Datenabgleich vereinbart und stimmt sich mit den Umlandbehörden über ein gemeinsames Vorgehen ab.

Der Taxikorso startete um 9 Uhr am Flughafen. Aus der Kolonne heraus postete Taxiunternehmer Kusan dieses Foto in die Whatsapp-Gruppe „Wir sind Taxi-Demo“.

Trotz all dem steht Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP) seit Langem in der Kritik. Zuletzt hatte die Taxi-Vereinigung Ende letzten Jahres die Verzögerung scharf kritisiert und mit Nachdruck die Nutzung der Instrumente gegen unlauteren Wettbewerb gefordert, den das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) seit bald fünf Jahren bietet.

Umso weniger Verständnis herrscht bei den Frankfurter Unternehmern für das Abwarten der Stadtverwaltung. Zwar hat diese im Dezember ein Gutachten zur Funktionsfähigkeit des Taxigewerbes in Auftrag gegeben, doch erwartet niemand davon eine Überraschung in dem Sinne, dass das Ergebnis nennenswerte Unterschiede zu anderen Städten aufweisen wird. Zudem sollte das Gutachten ursprünglich innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden. „Bis heute liegt jedoch weiterhin kein Ergebnis vor“, so Koc.

Auch in den kommenden Wochen sollen die Protestaktionen deshalb fortgesetzt werden, sofern weiterhin keine konkreten Ergebnisse erzielt werden. Die Stadtverwaltung soll vom Vorhaben abgebracht werden, mit der MBE-Einführung auf das Gutachten zu warten, dessen Ergebnis ohnehin feststeht. Deshalb soll zunächst am morgigen Dienstag (19.5.) demonstriert werden sowie am darauffolgenden Dienstag (26.5.2026).

Hunderte von Taxis: Manch ein Demo-Teilnehmer stieg aus, um die vorbeifahrende Kolonne zu fotografieren. 19.5.2026

Andere Städte greifen auf die „neuen“ Möglichkeiten des PBefG inzwischen nach und nach zu. Was der Landkreis Lörrach bereits kurz nach der PBefG-Novelle 2021 umsetzte, kam seitdem auch in Leipzig, Heidelberg, Solingen und Essen zur Anwendung (wobei Leipzig nach der üblichen Gegenklage umgefallen ist); in Köln und München ist es beschlossene Sache, doch in Berlin und Frankfurt am Main, zwei Städten mit besonders schwerwiegendem Uber-Problem, wird mit der Entscheidung zur MBE-Einführung scheinbar endlos gewartet.

Die Tatsache, dass die Dumpingpreise bei Uber & Co. nur durch Rechtsverstöße, Steuerhinterziehung und Sozialbetrug möglich sind, wird bei Verbrauchern, weniger kritischen Medien und einigen Politikern (hauptsächlich in der FDP) zwar noch immer ignoriert, ist jedoch heute im Großen und Ganzen auch Politikern bekannt. ar

https://taxi-times.com/wp-content/uploads/2026/05/Taxikorso-FFM-2026-05-19-Video-1-Taxi-Times-Taxiunternehmer-Kusan.mp4

Beitragsbild: Taxi-Vereinigung Frankfurt am Main e. V.; andere Fotos und Video: Taxi Times

Tags: Taxi-DemoTaxi-Vereinigung Frankfurt am Main e.V.
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Axel Rühle

Der Berlin-Insider ist Funkkurs-Dozent und ursprünglich Stadtplaner. Seit 1992 ist er im Besitz eines Personenbeförderungsscheins und immer wieder auch im Taxi anzutreffen. Inhaltlich betreut er in Wort und Bild alle Themen rund um die Taxi Times Berlin.

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